Schlagwort-Archiv: Bikepacking

B2B

B2B, also Business to Business (auf Schwäbisch: “von Gschäft zu Gschäft”) ist im Marketing ein gängiger Begriff und tägliche Praxis bei Geschäftsbeziehungen zwischen zwei Unternehmen.

Aber auch auf dem Bike lässt sich B2B erfolgreich praktizieren, angelehnt an die schwäbische Übersetzung: “vom Gschäft zom Gschäft”. Nach getanem Tagwerk (also wenn “du gnug gschafft hasch”) direkt “vom Gschäft” mit gepacktem Bike los, bis kurz vor der Dunkelheit über bekannte und weniger bekannte Trails surfen, und dann irgendwo das Zelt aufstellen und zum Abendessen den Sonnenuntergang  genießen.

Abendessen an der Stöckleshütte

Abendessen an der Stöckleshütte

Morgens mit dem ersten Sonnenstrahl wieder raus, einen Kaffee zum Aufwecken, dann Zelt einpacken und direkt “zum Gschäft” fahren.

Frühstückskaffee mit Blick in den Sonnenaufgang (hinter den Wolken)

Frühstückskaffee mit Blick in den Sonnenaufgang (hinter den Wolken)

Auch wenn es eigentlich nur ein Abend ist, fühlt sich das an wie ein langes Wochenende, ideal zum Abschalten und Kraft tanken. Einfach klasse.

 

Direttissima zum Hohenneuffen

Die längsten Tage des Jahres sind schon vorbei und unser langer Sommer Urlaub steht vor der Tür. Zeit für das nächste Bikepacking Abenteuer. Das Ziel: irgendwo auf die Alb.
Freitag morgen starte ich mit gepackten Bike zur Arbeit, komme nachmittags einigermaßen pünktlich raus. Mal sehen, ob ich heute noch bis zur Ruine Hohenneuffen komme. Aus Outdooractive habe ich mir ein paar Touren rund um Neuffen aufs Navi geladen, von denen ich Teilstrecken verbinden will. Für den Weg zum Einstieg stelle ich das Navi auf ‘Luftlinie’ und lege einfach los. Nicht immer ist das der einfachste Weg ;-)=

Direttissima per GPS

Direttissima per GPS

In Neckartailfingen packt mich vor dem Anstieg auf die Alb noch Hunger und Durst und dann geht es auf die GPS-Tracks. Am Anfang viel Asphalt, dann Schotterwege und auch ein paar nette Trails, 20:20 ist es, bis ich die Ruine Hohenneuffen endlich in Griffweite habe.

Lange Schatten vor Burg Hohenneuffen

Lange Schatten vor Burg Hohenneuffen

Eine dreiviertel Stunde später stehe ich oben, genieße die letzten Sonnenstrahlen und den Sonnenuntergang.

Auffahrt zur Burg im letzten Sonnenlicht

Auffahrt zur Burg im letzten Sonnenlicht

Blick von Hohenneuffen

Blick vom Hohenneuffen

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Jetzt heißt es, einen Übernachtungsplatz zu finden. Am Wanderparkplatz ist noch die Hölle los, die Musik ist weit zu hören. So folge ich noch ein Stück dem HW1, bis ich an einem Felsabbruch eine ebene Stelle finde und mein Lager aufschlage. Mittlerweile ist es dunkel. Der Wind weht immer mal wieder Fetzen von Musik zu mir rüber, auf der nicht allzu weit entfernten Straße ist noch eine ganze Weile was los.

Doch irgendwann wird es ruhig, und nur der Wind zerrt an den Bäumen, und die Blätter rascheln. Und entweder die Tierwelt hat auch geschlafen, oder man gewöhnt sich an ein gelegentliches Rascheln im Unterholz: Irgendwann bin ich dann eingeschlafen, nicht besonders tief, aber immerhin. Gegen 5 wache ich aus dem Halbschlaf auf, die Sonne kommt schon langsam über den Horizont und blinzelt kraftlos durch die Bäume.

Blick aus dem Zelt gen Sonnenaufgang

Blick aus dem Zelt gen Sonnenaufgang

Eine knappe halbe Stunde später sind alle Spuren meiner Anwesenheit beseitigt, ich koche einen Kaffee und zum Frühstück gibt es eine Käse/Tomaten/Oliven-Brezel. War eigentlich zum Abendessen vorgesehen, aber macht auch zum Frühstück satt. Um 6 geht es weiter, es warten tolle Trails und schöne Blicke ins Tal und rüber zur Teck.

Tolle Trails am Brucker Fels

Tolle Trails am Brucker Fels

An Owen vorbei geht es auf Schotterwegen, immer wieder kommen kürzere interessante Trailstücke, die nur ein Local kennen kann. So lande ich gegen 8 in Oberboihingen am Neckar, bin schon ziemlich platt. Von Köngen, dem Ende meiner Track-Downloads, folge ich wieder der ‘Luftlinie’-Strategie. Mehr oder weniger zufällig passt das hervorragend mit dem Körschtal-Radweg zusammen. So weiß ich, was auf mich zukommt und an welcher Stelle ich vielleicht von der Direttissima abweichen sollte. Beim kurzen zweiten Frühstück hinter Denkendorf (Pinion-Hausen) sammle ich noch die letzten Kraftreserven zusammen und bin gegen 10:00 zu Hause. Platt aber glücklich.

Und während Rest-Deutschland noch überlegt, wie es ins Wochenende startet, hat meines schon lange begonnen. Mit einem kleinen Abenteuer vor der Haustür.

Doch als Gina mich fragt, was mich an so einer Übernachtungs-Tour fasziniert, kann ich keine zufriedenstellende Antwort geben. Vielleicht hat es Goethe am besten getroffen als er gesagt hat: “Das Außerordentliche geschieht nicht auf glattem, gewöhnlichem Wege.” Und dabei kannte er vermutlich die ruppigen Trails der Alb gar nicht… ;-)=

Bikepacking, oder Kai zu Kayh vom Grafenberg

Samstag, 2015-06-13

Die Taschen sind fertig, Zeit für eine Probe-Tour. Freitag Nacht Regen und Gewitter angesagt, Samstag habe ich tagsüber noch einiges zu tun, also Start erst nach dem gemeinsamen Abendessen um 18:55.

Packed and ready to go

Packed and ready to go

Das Ziel? Der Grafenberg oberhalb von Kayh, also die klassische Herrenberg-Tour. Bei tollen Wetter Richtung Böblingen, um dann ab Ehningen auf den bekannten Trails Richtung Naturfreundehaus Herrenberg zu fahren. In Mauren tolles Licht und Kunst in der Natur.

Kunst in der Natur

Kunst in der Natur

Die Trails sind nach den letzten Regenfällen noch mit Pfützen übersäht, mal sehen was die Taschen können ;-) Zumindest die Stechmücken halten sie ab, was meine Haut nicht schafft. Pause machen ist also nicht drin.
Zweieinhalb Stunden später stehe ich auf dem Grafenberg.

Kayh vom Grafenberg aus

Kayh vom Grafenberg aus

Die Bank ist besetzt, und im Naturschutzgebiet zelten sowieso verboten. Also fahre ich noch ein Stück weiter und schlage mich “out of sight” in die Büsche. Zelt aufstellen (Premiere, funktioniert schnell und einfach), Katzenwäsche und dann liege ich im Bett.

Mein Camp für die Nacht

Mein Camp für die Nacht

Der Wind rauscht leise in den Blättern, im Laub raschelt es gelegentlich. Aber noch keine Siebenschläfer…
Gute Nacht!

Samstag, 2015-06-13

Gut geschlafen?

Ich weiß jetzt, dass der Wind gegen Mitternacht vollständig einschläft, das einschläfernde Rauschen der Blätter in den Bäumen aufhört und dann die Geräusche der Kleintiere am  Boden in den Vordergrund treten.

Und dass gegen zwei Uhr die größeren, nachtaktiven Tiere unterwegs sind. Bedrohlich klingt es noch nicht (die Wildschweine haben gerade Nachwuchs), aber es ist zu laut und zu nah  um einfach so in Ruhe einschlafen zu können.

Und dass um vier Uhr die Vögel anfangen zu zwitschern. Und dass das Zelt als Lärmschutz nichts taugt.

Halb sechs wache ich dann aus dem Halbschlaf auf, packe in zwanzig Minuten Zelt und Krimskrams ein und bin spurlos verschwunden.

Spurlos verschwunden

Spurlos verschwunden

Kurz vor sechs sitze ich auf dem Rad zurück zum Grafenberg,  meiner Pflicht als Graf Kai nachzukommen und den Kayhern den Morgengruß zu entbieten. ;-)=

Kai zu Kayh zum Grafenberg

Kai zu Kayh zum Grafenberg

Frühstücks-Hunger! Im Naturschutzgebiet will ich kein Feuer machen, ein paar Kilometer weiter finde ich eine Bank. Löslicher Kaffee (von meinem Konservendosen-Holz-Kocher), Brötchen von gestern und Stäbchen-Nutella (die Kinderschokolade von da wo’s aldi guten Sachen gibt) schmecken unter freien Himmel wunderbar.

Frühstücks-Stilleben

Frühstücks-Stilleben

Und dann geht es wieder auf die Trails, der Heimat entgegen. Ein paar Kilometer folge ich dem Randweg, dann geht es hinunter mitten hinein in den Schönbuch und mit ein paar letzten Trails und einem Abstecher beim Bäcker vorbei nach Hause. Kurz danach tauchen meine Damen vom joggen auf, genau passend zum gemeinsamen Frühstück auf dem Balkon.

Zugegebenermaßen sind die Brötchen frischer, der Kaffee besser, und die Stühle bequemer. Aber der Geschmack nach Abenteuer fehlt, und von dem werde ich nach der erfolgreichen Generalprobe während der Planung einer Mehrtagestour im Sommer zehren…

Bikepacking Basteleien

Die Sattelstützentasche hat die ersten Probefahrten hinter sich, fehlt noch das vordere Pendant. Und nachdem das Wetter jetzt in der 30°C Liga spielt, wird es höchste Eisenbahn!

Die Idee: Eine flache Tasche mit Rollverschluss übers Oberrrohr hängen und mit Gurten fixieren. Damit soll der Lenker unbelastet und der Blick aufs Vorderrad frei bleiben. Und gleichzeitig wird die Gewichtsverlagerung der hinteren Tasche wieder nach vorne orientiert.

TopTube-Bag

TopTube-Bag

Eine ältere flache Ortlieb-Tasche, etwas LKW-Plane, ein paar Gurte und Schnallen, und die Tasche ist bereit für eine Probefahrt.

TopTube-Bag

TopTube-Bag

Der Sack sitzt sauber und wackelt auch in Rüttelpassagen nicht. Aber im Wiegetritt an Steilpassagen kollidieren die Knie, die Tasche ist zu breit. Ein bekanntes Problem des Rollverschlusses: Beim Schließen wird die Luft komprimiert und die Tasche bläst sich auf. Verstärkt wird der Effekt durch das Abknicken übers Oberrohr. Also klebe ich das Presta-Ventil aus einem alten Schlauch auf die Tasche und sorge für eine Entlüftungsmöglichkeit.

Probefahrt

Probefahrt

Bikepacking 2015

2009. Schwäbische Alb. Meine erste Solo-Bike-Tour mit Übernachtung im Hotel Sternenhimmel verläuft, zugegeben, nur bedingt so wie geplant. Nächtliche Ruhestörung und nicht unerhebliche Folgekosten lassen Raum für Optimierungen bei einer Wiederholung. Denn die Idee lässt mich nicht los: Dort zu übernachten wohin es dich abends verschlägt, unabhängig sein, mitten in der Natur, reduziert auf das Wesentliche.

Und so überlege ich, was sich verbessern lässt.  Einerseits ist Reduktion das Stichwort. Kein Hänger, leichteres und vor allem kleineres Equipment, alles direkt am Rad und im Rucksack verstaut. Aber gleichzeitig die Frage, wie ich zugunsten einer ruhigen Nacht meine Schlafstatt von der Tierwelt trennen kann. Schlafsack und Isomatte haben seit 2009 schon um ein paar Kilo abgespeckt, für das Dach über dem Kopf warte ich noch auf ein günstiges Angebot.

Und für den Transport? Die Ansprüche sind so unterschiedlich wie die Lösungen, vieles gibt es zu kaufen, genauso viel ist aber auch an Eigenbaulösungen zu finden. Inspirationen gibt es z.B. auf www.bikepacking.net.  Die Quintessenz meiner Ansprüche: Wasserdicht und trotzdem leicht, eine ausgewogene Gewichtsverteilung und tiefer Schwerpunkt, freier Blick auf die Trails direkt vor dem Vorderrad,  und die Möglichkeit hinter den Sattel zu kommen sind meine Anforderungen. Das spricht für die Aufteilung in eine vordere und hintere Tasche. Und weil nichts auf dem Markt meine Anforderungen erfüllt, bleibt der Weg in den Bastelkeller, ein erster Prototyp der Sattelstützentasche entsteht.

Prototyp Sattelstützentasche

Prototyp Sattelstützentasche

Die Idee: Eine leichte Halterung, in der ein herkömmlicher Ortlieb-Sack verspannt wird und die ihn “in Form” hält. 3 schöne Alu-Schellen (Fundstück im Internet), ein Stück Abflussrohr aus dem Baumarkt, ein paar Nylonriemen Schnallen und Kleinteile, fertig ist die Halterung. Gut, die drei Stunden anzeichnen, sägen, dremeln, schrauben und nähen muss ich auch noch rechnen. Die Tasche ist von Overboard, hat seitlich einen zusätzlichen Ring (in den normalerweise ein Trageriemen eingeklipst wird). Der ist ideal, um die Tasche in die Halterung zu hängen, das macht es leichter die Nylonriemen zu spannen. Zwei um den Umfang gibt es (vermutlich würde einer reichen) und einen Y-förmigen zwischen Sattelgestell und Unterkante der Halterung. Letzterer hält den Boden des Packsacks vom Reifen fern, bei voller Einfederung bleibt nicht mehr arg viel Platz.

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Befestigung an der Schelle mit angeformten U-Scheiben und Haken für D-Ring der Tasche

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Das gleiche von der anderen Seite

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Tasche eingehängt, vor dem “Verzurren”

Erste Probefahrten sind erfolgreich absolviert. Ich komme problemlos hinter den Sattel, die Tasche wackelt nicht und fährt sich unauffällig. Wasserdicht ist sie auch, und Tasche und Halterung mit allem drum und dran wiegen deutlich unter 500g. Für 5l Inhalt nicht so schlecht. Um die Sattelstütze versenken zu können, kann die ganze Halterung noch etwas weiter nach oben rutschen und verkleinert werden (reduziert auch nochmal das Gewicht, 400g sollten drin sein). 5cm Versenkbarkeit sind nicht viel, aber helfen auf langen Abfahrten. Schwachpunkt der Konstruktion: Die ganze Last geht über die drei Schrauben zwischen Schelle und Halterung, die zudem noch auf Biegung beansprucht werden. Hochwertige Schrauben, massive U-Scheiben und die Abstützung der Halterung am Sattelgestell sind die Gegenmaßnahmen, damit sollten auch ausgedehnte Mehrtagestouren defektfrei bleiben. Soooooo viele Kilometer werde ich mit der Tasche nicht zurücklegen, ich will ja nicht aussteigen…