{"id":136,"date":"1994-07-08T07:20:41","date_gmt":"1994-07-08T06:20:41","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.vielevisels.de\/?p=136"},"modified":"2020-11-08T08:44:40","modified_gmt":"2020-11-08T07:44:40","slug":"alpencross-1994-fotos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vielevisels.de\/?p=136","title":{"rendered":"Alpencross 1994 ala Heckmair"},"content":{"rendered":"<p>Einmal \u00fcber die Alpen! Schon f\u00fcr Hannibal vor \u00fcber 2000 Jahren erkl\u00e4rtes Ziel. Auch wir haben uns dieses Ziel gesteckt, statt den Elefanten satteln wir aber lieber unsere Mountain Bikes. Sechs Tage f\u00fcr die Strecke von Oberstdorf bis an den Gardasee! Jeder von uns sieben hat seine eigenen Erwartungen an diese Tour, an sich selbst, an den Rest der Truppe. Da\u00df eine solche Tour kein Zuckerschlecken wird, ist allen klar. Doch damit, da\u00df wir sieben nicht gemeinsam am Gardasee ankommen, sondern \u00fcber die H\u00e4lfte zwischendurch aussteigt, hat wohl keiner gerechnet&#8230;<\/p>\n<h1>Impressionen<\/h1>\n<p><b>Samstag abend, kurz nach 8:00.<\/b> Roli steht bei mir in der Werkstatt, den nagelneuen Bianchi-Rahmen am Reparaturst\u00e4nder, nackt bis auf den Steuersatz. In zwei Bananenkisten ein Sammelsurium an Teilen: Schaltwerk, Kurbeln und Pedale, Bremsen, &#8230;, daneben Felgen und Reifen, ein gestrippter Flite ohne Satteldecke und diverses Kleinzeug. Das ganze sieht nach ziemlich viel Arbeit aus.\u00a0 Und trotzdem: Morgen fr\u00fch soll es losgehen, um kurz nach 6:00 f\u00e4hrt der Zug Richtung Oberstdorf, unser Abenteuer Alpencross soll beginnen.\u00a0 Doch f\u00fcr Roli wird die Nacht schon spannend. W\u00e4hrend ich noch die letzten Sachen im Rucksack verstaue, zum 1000sten mal dran denke, da\u00df ich garantiert was vergessen habe, und gleichzeitig zum 1001sten Mal \u00fcberlege, ob ich den Rucksack nicht doch noch leichter bekommen kann, f\u00e4ngt Roli an, sein Rad aufzubauen. Den neuen Rahmen hat er nach einer l\u00e4ngeren Garantieabwicklung heute erst vom H\u00e4ndler bekommen, nachdem sein alter mit Rissen am Unterrohr zu den Akten mu\u00dfte. Gegen 24:00Uhr lege ich mich ins Bett, um am n\u00e4chsten Morgen nicht v\u00f6llig tot zu sein. Roli f\u00e4ngt gerade an, die Bremsen einzustellen. Die Bananenkisten haben sich zwar etwas geleert, ich k\u00f6nnte aber nicht sagen, ob jetzt mehr Kohle am Rahmen h\u00e4ngt, oder noch in den Kisten lagert. 5:00Uhr, der Wecker klingelt. Schlaftrunken steige ich in die Radklamotten und sehe als erstes nach, ob Roli \u00fcber der Arbeit eingeschlafen ist. Doch die Werkstatt ist leer, sogar aufger\u00e4umt. 5:30Uhr, ich stehe vor Rolis Haust\u00fcr. Sein Bianchi wartet schon vor der T\u00fcr. Fertig! Sogar den Sattel hat er noch neu beziehen k\u00f6nnen. Grinsend steht Roli in der T\u00fcr. Eine Stunde Schlaf hat er gerade hinter sich, bis kurz nach vier war er in der Werkstatt besch\u00e4ftigt. Doch das Rad ist fertig und hat sogar schon ganze 500m Probefahrt hinter sich. \u00c4chzend nehmen wir die knapp 8kg schweren R\u00fccks\u00e4cke auf den R\u00fccken und fragen uns, ob wir uns in den n\u00e4chsten paar Tagen daran gew\u00f6hnen k\u00f6nnen. Dann geht es los Richtung Bahnhof. Die gleiche Strecke sind wir schon x-mal zur Uni gefahren, doch mit gepacktem Rucksack und dem Ziel Gardasee vor Augen beginnt jetzt schon der Urlaub. Morgens um 6:00 ist noch nichts los in Stuttgart, in einem Affentempo geht es durch die menschenleere K\u00f6nigsstra\u00dfe, die Rolltreppen in die Klett-Passage runter, gegen\u00fcber die Treppen hoch. Der Gro\u00dfteil unserer 7-k\u00f6pfigen Truppe wartet schon am Bahnsteig, 5 Minuten bevor der Zug abf\u00e4hrt sind wir dann endlich komplett. Noch knapp drei Stunden Bahnfahrt, dann geht das Abenteuer Alpencross richtig los!<\/p>\n<p><b>Zu einer Alpen\u00fcberquerung geh\u00f6ren zwei Dinge dazu wie das Abwaschen und Abtrocknen zum Essen: Asphaltetappen und Tragepassagen.<\/b> So vergeht auch auf unserer Route fast kein Tag ohne eine ausgiebige Pause f\u00fcr das Rad, entweder auf befestigten Wegen oder noch besser (f\u00fcr das Rad), auf unserem R\u00fccken. Am ersten Tag ist es der Schrofenpa\u00df, der uns einen kleinen Vorgeschmack auf das gibt, was uns in den kommenden Tagen erwartet. Den gr\u00f6\u00dften Teil der H\u00f6henmeter legen wir auf Asphalt zur\u00fcck, kurz nach Ende des Asphalts wird der Weg zum Trail, und bald schon endet der fahrbare Teil des Schrofenpasses.\u00a0 Teilweise l\u00e4\u00dft sich das Bike noch schieben, doch oft ist das Schultern die einfachere Methode, durch das Ger\u00f6llfeld zu kommen. Ich bin heilfroh, da\u00df meinem Gewichtsspardrang nicht die Trekking-Sandalen zum Opfer gefallen sind, die Radschuhe mit den Stahlplatten in der Sohle sind das denkbar ungeeignetste Schuhwerk f\u00fcr eine solche Kletterei, \u00fcbertroffen vielleicht nur noch von St\u00f6ckelschuhen.\u00a0 Auch bei der Leiter, die horizontal \u00fcber einen Abbruch f\u00fchrt, bin ich froh, vor der Kletterei die Schuhe gewechselt zu haben. Das Bike am ausgestreckten Arm, frei \u00fcber dem Abgrund baumelnd, ertasten wir uns Sprosse f\u00fcr Sprosse den Weg. Danach folgt noch eine kurze Strecke Weg in der senkrechten Wand, dann sind wir oben auf dem Schrofenpa\u00df. Zwar gl\u00fccklich, den ersten Pa\u00df hinter uns zu haben, doch etwas entt\u00e4uscht von dem geringen fahrtechnisch interessanten Anteil. Gleiches m\u00fcssen wir dann auch auf der Abfahrt erfahren: die ersten H\u00f6henmeter sind sehr schwer, gro\u00dfteils nicht fahrbar. F\u00fcr eine kurze Strecke wird der Weg besser, dann geht aus auf einen breiten Schotterweg, auf dem wir ohne technischen Anspruch die H\u00f6henmeter vernichten. So hatte ich mir den Auftakt zu unserer Alpen\u00fcberquerung nicht vorgestellt!\u00a0 Auch am zweiten Tag sieht die Auffahrt \u00e4hnlich aus. Lange Aspahltstrecken von Schruns bis Gargellen, dann einige Kilometer auf Schotter, die restlichen 400HM zum Schlappiner Joch mit dem Bike huckepack. Flugs wird der Pa\u00df in Schleppiner Joch umgetauft, dies trifft den Kern der Sache besser.\u00a0 Doch im Gegensatz zum Schrofenpa\u00df am ersten Tag entsch\u00e4digt hier die Abfahrt: Ein schmaler, stark ausgewaschener Pfad f\u00fchrt mal in engen Kehren, mal in weiten Schw\u00fcngen bergab. Der Weg ist meist so schmal und tief, da\u00df an ein Mittreten gar nicht zu denken ist. Doch auch ohne zus\u00e4tzlichen Vortrieb genie\u00dfen wir die Abfahrt, zu schnell ist der Rausch vorbei, wir sind in Schlappin angelangt. Schade, da\u00df es bergab so viel schneller geht, als bergauf! Am dritten Tag wollen wir \u00fcber den Scalettapa\u00df, doch bis zum D\u00fcrrboden haben wir gr\u00f6\u00dftenteils Asphalt unter den Stollen. Doch ab da wird es interessant: Der Weg f\u00fchrt durch ein Ger\u00f6llfeld bis zum Pa\u00df, extrem steil, aber durch die flachen Steinplatten sehr griffig. Roli, Jochen und mich packt der Ehrgeiz: Wir wollen unbedingt fahren, bis es nicht mehr weitergeht. Der Puls steigt und steigt, das Blut pocht in den Schl\u00e4fen. Doch auch hier schaffen wir es nicht, bis oben auf dem Bike zu bleiben. Am Scalettapa\u00df zwingen uns aber andere Gr\u00fcnde zum Schieben: Es liegt noch Schnee! Zum Gl\u00fcck sind es nicht mehr arg viele H\u00f6henmeter, doch f\u00fcr nasse F\u00fc\u00dfe reicht es.\u00a0 Die kriegen wir auch auf der Abfahrt, hier k\u00e4mpfen wir mehr mit dem Schmelzwasser, das in Mengen auf dem schmalen Pfad bergab schie\u00dft, als mit fahrtechnischen Schwierigkeiten. Dies bleibt auch so, als der Pfad nach kurzer Zeit in einen breiten Schotterweg \u00fcbergeht, auf dem wir die restlichen H\u00f6henmeter vernichten.\u00a0 Am Abend des dritten Tages entscheiden sich Gori, Werner, Dieter und Marius f\u00fcr die R\u00fcckreise, so sind wir am Morgen des vierten Tages nur noch zu dritt. F\u00fcr Roli, Jochen und mich ist zuerst wieder das H\u00f6henmetersammeln angesagt, zuerst noch auf Schotter, die letzte Dreiviertelstunde wieder mit dem Bike auf dem R\u00fccken. Roli und Jochen h\u00e4ngen mich zu Fu\u00df v\u00f6llig ab, durch eine von Roli&#8217;s Zeichnungen mit einem &#8222;Go, Go&#8220; in einem Schneerest motiviert stehen wir bald zu dritt auf dem Chaschauna-Pa\u00df. Diese Tragestrecke wird f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage die letzte sein, erst am letzten Tag erwischt es uns nochmal. Daf\u00fcr warten auf uns noch l\u00e4ngere Stra\u00dfenetappen. Doch zuerst geht es direkt von Livigno auf einem Single-Track bergan. Fahrtechnisch teilweise etwas anspruchsvoller, aber ohne gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten, steigen wir in landschaftlich reizvoller Kulisse auf den Passo di Valle Alpisella. Die Abfahrt verl\u00e4uft zwar auf einem breiten Schotterweg, doch die vielen Kehren bis zum Lago di San Giacomo und vor allem die Wettfahrt mit zwei Enduros auf den Kehren danach machen viel Spa\u00df.\u00a0 Auf der Original Heckmair-Route, der wir bis jetzt gefolgt sind, w\u00fcrde uns nach dem auch f\u00fcr den Stra\u00dfenverkehr zugelassenen Gaviapa\u00df (Asphalt und Schotter) eine mehrst\u00fcndige Tragepassage zum Lago di Campo erwarten. So haben wir uns entschlossen, dem Rat von Freunden zu folgen und eine Alternative zu suchen.\u00a0 Dies hei\u00dft erstmal gen Westen und dann ins Val di Verva. Laut Kompa\u00df Karte im oberen Teil nur ein schmaler Trail, jedoch liegen die H\u00f6henlinien weit genug auseinander, da\u00df bei einigerma\u00dfen ordentlichen Untergrund das Fahren noch m\u00f6glich sein m\u00fc\u00dfte. Mit der &#8222;Autobahn&#8220;, die bis nach oben f\u00fchrt, hat jedoch niemand gerechnet. So wie es aussieht, wurde der Weg in den letzten Jahren repariert und verbreitert. Die Erosion hat jedoch schon wieder ihren Tribut gefordert, so da\u00df die starken Erosionsrinnen uns auch fahrtechnisch einiges abverlangen, trotz der Breite des Weges. Auch bergab werden wir gefordert. Die Kombination aus extrem grobem Schotter und massivem Gef\u00e4lle zeigt auch den Maguras die Grenze. Alle paar Minuten brauchen wir eine Pause, um die schmerzenden H\u00e4nde auszusch\u00fctteln. Die haben dann auf den folgenden Kilometern gen\u00fcgend Zeit, sich wieder zu regenerieren. Die einzige M\u00f6glichkeit, vom Val di Verva nach Edolo zu kommen, geht \u00fcber den Passo della Foppa. Bei gl\u00fchender Hitze geht es bergan. &#8222;Forza,forza&#8220; klingt es auf einmal in meinen Ohren, st\u00fcrmischer Applaus treibt mich nach oben. Leider nur in meiner Einbildung, denn die Anfeuerungsrufe und Schriftz\u00fcge auf der Stra\u00dfe galten den Giro-Teilnehmern vor wenigen Wochen. Pausenlos versuche ich mir einzureden, da\u00df der Geschwindigkeitsunterschied zu den Rennrad-Profis nur durch den Rucksack und die Stollenreifen kommt. Aber so ganz kann ich mich nicht \u00fcberzeugen. Am folgenden Tag kommen Erinnerungen hoch, den Passo Croce Domini kenne noch von einem Urlaub mit dem Gel\u00e4ndewagen. Die Steigung hat sich nicht ge\u00e4ndert, doch zum Gl\u00fcck stimmt heute das Wetter.\u00a0 Nach der Passh\u00f6he geht es noch ein St\u00fcck auf Asphalt bergab, dann ist wieder H\u00f6henmetersammeln angesagt. In einer Mischung aus Singletrack und anspruchsvollen Doubles geht es bergan, bis wir durch ein Felsentor im Valle Sorino ankommen. In diesem weiten Hochtal bleiben wir f\u00fcr die n\u00e4chsten Kilometer. Der Weg ist zwar zweispurig, doch die vielen L\u00f6cher und Steine erfordern volle Aufmerksamkeit. Vor allem durch die Tatsache, da\u00df alle Hindernisse hoch mit Gras \u00fcberwachsen und somit v\u00f6llig unsichtbar sind. So hei\u00dft es, Kilometer um Kilometer im Stehen zur\u00fcckzulegen. Auf solchen Strecken w\u00fcnschen wir uns ein Fully! In einer Pause haben wir mal Zeit, die Augen vom Weg abzuwenden und k\u00f6nnen im Dunst schon unser Ziel des n\u00e4chsten Tages erkennen, den Tremalzo. Das Ziel liegt fast schon in greifbarer N\u00e4he! Der Tag endet wieder wie viele zuvor, endlose Kehren auf Asphalt geben unseren geschundenen Knochen Zeit zum Ausruhen. Am letzten Tag steht noch ein Anstieg auf dem Programm, der Tremalzopa\u00df. Gerade hier haben wir keine Tragepassage mehr erwartet. Doch es erwischt uns noch mal ziemlich heftig. Einige Kilometern nach dem Forte Ampola biegen wir um eine Kurve und stehen zwischen Baumaschinen. Ab hier ist der Weg komplett neu und f\u00f6rmlich in den Wald gefr\u00e4st. Doch eine Kurve weiter ist Schlu\u00df. Wir stehen vor einer senkrechten, anderthalb Meter hohen Wand und sehen noch den alten Weg, der oben weiterf\u00fchrt. Doch f\u00fcr uns ist hier kein Weiterkommen, nach Auskunft der Bauarbeiter geht es auch weiter oben nicht mehr weiter. So rollen wir hundert Meter zur\u00fcck und folgen zu Fu\u00df einem zugewachsenen Wanderweg, der steil bergauf f\u00fchrt. Die dichten Brennesseln am Wegesrand zwingen uns schnell in die Regenklamotten. Im dichten Unterholz ist der Weg kaum noch auszumachen, nur die verblichenen Wegweiser an den B\u00e4umen helfen uns weiter. Oft geht es zwei Schritte hoch und einen wieder runter, das Rad dient mehr als Gehhilfe und Wanderstock. Nach einer halben Stunde Plackerei haben wir es endlich geschafft, \u00fcber ein St\u00fcck SingleTrail gelangen wir auf einen breiten Schotterweg, der uns bis zum Scheiteltunnel des Tremalzo f\u00fchrt.\u00a0 Auf der Abfahrt kommt jetzt endlich der Genu\u00df, der bisher oft zu kurz gekommen ist. Bis zum Passo Nota geht es mit High Speed durch die Schotterkehren, dann auf den Singletracks bis nach Pregasina, unser Ziel ist zum Greifen nah. \u00dcber dem Monte Brione ziehen schwarze Wolken auf, jetzt hei\u00dft es Gasgeben, sonst werden wir nach einer Woche Sonnenschein doch noch na\u00df! Eine Viertelstunde sp\u00e4ter drehen wir in Riva noch eine Runde \u00fcber den Campingplatz, auf dem wir uns mit meinem Bruder Frank und seiner Freundin Tanja verabredet haben, dann liegen wir uns vor der Pizzeria in den Armen. Geschafft! 1 Woche harte Arbeit liegt hinter uns, aber auch viel Spa\u00df.\u00a0 Nicht nur die H\u00f6henmeter haben uns viele Hochs und Tiefs beschert, auch unsere Stimmung hatte diverse H\u00f6hen und Tiefen. Und das Wetter-Tief, das bis jetzt noch gefehlt hat, holt uns doch noch ein: Wir haben die Getr\u00e4nke noch nicht bestellt, da geht das Unwetter los. Binnen Sekunden steht das Wasser zentimeter hoch auf der Stra\u00dfe. Egal, wir sitzen im Trockenen, geschafft, aber gl\u00fccklich.<\/p>\n<p><b>Ein paar Tage in einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe unterwegs zu sein hei\u00dft auch, sich auf alle m\u00f6glichen unvorhersehbaren Pannen einzustellen.<\/b> Bei guter Ausr\u00fcstung l\u00e4\u00dft sich vieles problemlos unterwegs beheben, doch es wird auch deutllich, wie sehr unsere Bikes am Limit gebaut sind und wie abh\u00e4ngig wir von der Technik sind. So geht es uns am zweiten Tag, als Dieter kurz nach der Abfahrt von der Freiburger H\u00fctte einen ganz ordin\u00e4ren Plattfu\u00df hat.\u00a0 Bis wir Dieter&#8217;s Rad (und alle anderen, die als Organspender dienen mu\u00dften), wieder flott haben, vergeht weit \u00fcber eine Stunde. Wir sind heilfroh, da\u00df wir uns am Abend vorher entschieden hatten, schon auf der Freiburger H\u00fctte zu \u00fcbernachten und nicht noch unser eigentliches Etappenziel in Angriff zu nehmen. H\u00e4tten wir das gleiche auf der Abfahrt am Abend vorher gehabt, h\u00e4tten wir den gr\u00f6\u00dften Teil im Dunkeln zur\u00fccklegen m\u00fcssen. Ich glaube nicht, da\u00df wir alle dies heil \u00fcberstanden h\u00e4tten. Diese Situation zeigt uns aber auch, wie wichtig es ist, auf einer solchen Tour das Equipment der einzelnen Mitfahrer aufeinander abzustimmen. Eigentlich nicht schlecht ausgestattet, glaubten wir, f\u00fcr alles gewappnet zu sein, doch die Flickaktion lehrt uns was anderes.\u00a0 Neben dieser zeitintensiven &#8222;Lappalie&#8220; und einigen weiteren Plattfuessen haben wir in der Woche noch zwei schwerwiegendere Defekte. Ein defektes Steuerlager kann Roli noch mit Bordmitteln in Gang bringen, (das einzige Bauteil, das er bei seinem n\u00e4chtlichen Aufbau des Bikes nicht selbst montiert hat, gibt nun als erstes den Geist auf). Doch eine verbogene Felge macht gr\u00f6\u00dfere Probleme. Bei einem Spurwechsel \u00fcber den grasbewachsenen Mittelstreifen erwische ich einen versteckten Steinbrocken, ein heftiger Schlag, ein lautes Zischen und wenig sp\u00e4ter kann ich die Bescherung begutachten. Einen Snakebite habe ich erwartet, nicht jedoch, da\u00df sich die Vorderradfelge gleich mit verabschiedet hat. Eine Delle von mehreren Zentimetern L\u00e4nge ziert die Bremsflanke. Und das kurz vor S-Chanf, dem Tagesziel! Schnell einen neuen Schlauch montiert, den Hydraulikzylinder der Magura abgebaut, und dann geht es nur mit der Hinterradbremse den anderen hinterher. Nun ist guter Rat teuer, denn der n\u00e4chste Bike-Shop ist weit. Doch Hilfe f\u00fcr mich kommt von Marius. Da er sich mit Dieter und Gori (und am n\u00e4chsten Morgen auch ihr Freund Werner) zur Heimreise entschlossen hat, bietet er mir sein Vorderrad an. Dankbar, ohne gro\u00dfen Zeitverlust die Tour fortsetzen zu k\u00f6nnen, nehme ich sein Angebot an. So wird abends zuerst mal wieder geschraubt, Marius&#8216; Vorderrad kommt an mein Serotta, meine Felge wird notd\u00fcrftig ausgebeult und mu\u00df f\u00fcr Marius&#8216; Heimreise reichen.<\/p>\n<p><b>Einmal mit dem Bike \u00fcber die Alpen.<\/b> Diese Idee \u00fcbt einen gro\u00dfen Reiz auf viele Biker aus. An der (fahrtechnischen) Qualit\u00e4t der Trails kann es nicht alleine liegen, denn der Grat zwischen Kilometerschinden auf Asphalt und H\u00f6henmetersammeln mit dem Bike auf dem R\u00fccken ist oft schmal, teilweise gar nicht vorhanden. Aber genau zwischen diesen beiden Extremen finden sich normalerweise die sch\u00f6nsten Bike-Strecken: schmale, kurvige Singletrails, steil berghoch, steil bergab, \u00fcber Stufen, um B\u00e4ume. Und gerade diese Streckenabschnitte sind auf Alpen\u00fcberquerungen zwar vorhanden, aber kurz und viel zu schnell zu Ende. Der Reiz einer Alpenquerung liegt in anderen Dingen:\u00a0 Die Sch\u00f6nheit der Landschaft, die einen umgibt.\u00a0 Die Gewaltigkeit der Berge, in denen man sich bewegt.\u00a0 Die Einsamkeit und Stille oben auf einer Pa\u00dfh\u00f6he, die man aus eigener Kraft bezwungen hat.\u00a0 Der Kampf mit dem inneren Schweinehund, und die Freude, ihn \u00fcberwunden zu haben. Die v\u00f6llige Ersch\u00f6pfung nach einem 1000HM Anstieg. Das Gruppenerlebnis, sich gemeinsam einer Herausforderung zu stellen. Das Gef\u00fchl von Freiheit, Weg und Zeit selbst zu bestimmen.\u00a0 Die Vorfreude und Erwartung auf das, was der Tag noch bringt.\u00a0 Und nicht zuletzt die Bewunderung anderer, wenn man erz\u00e4hlt: &#8222;Ich bin mit dem Bike \u00fcber die Alpen gefahren.&#8220; All dies macht aus einem Alpencross eine Erfahrung und ein Erlebnis, an das man sich noch lange erinnern wird.<\/p>\n<h1>Fotos<\/h1>\n<p><a href=\"https:\/\/vielevisels.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/alpen1994_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-323\" src=\"https:\/\/vielevisels.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/alpen1994_2.jpg\" alt=\"\" width=\"575\" height=\"876\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/vielevisels.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/alpen1994_952e56ce2d1ffa.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-322\" src=\"https:\/\/vielevisels.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/alpen1994_952e56ce2d1ffa.jpg\" alt=\"\" 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Jeder tolle Singletrail mu\u00df mehr oder weniger hart mit Tragepassagen oder l\u00e4ngeren Stra\u00dfenabschnitten erkauft werden. So gilt es zu rechnen: 1 Stunde Tragen f\u00fcr 15 Minuten Singletrail-Fun. Wenn das in Ordnung ist, sind das die Top Four:<\/p>\n<p><b>Abfahrt vom Schlappiner Joch<\/b> Ganz klar eines der Highlights, Singletrackspa\u00df in genialer Landschaft. Ob die anderthalb Stunden Tragen auf das Schlappiner Joch dies wert sind, mu\u00df jeder selbst entscheiden. Es gibt sicherlich weniger anstrengende Methoden, eine knappe halbe Stunde Singletrack zu fahren. Aber das Gef\u00fchl, sich dies hart erk\u00e4mpft zu haben, ist schon toll.<\/p>\n<p><b>Scalettapa\u00df ab D\u00fcrrboden<\/b> Wem es Spa\u00df macht, die Grenzen seiner Steigf\u00e4higkeit auszuloten, ist am Scalettapa\u00df richtig. Steil und technisch anspruchsvoll, gilt es, die beste Spur zu finden. Bei uns lag im oberen Teil noch Schnee, ich w\u00fcrde trotzdem gerne nochmal ausprobieren, ob der Scaletta bis oben fahrbar ist.<\/p>\n<p><b>Ab Livignio auf den Passo di Valle Alpisella<\/b> Fahrtechnisch lange nicht so anspruchsvoll, daf\u00fcr landschaftlich besonders reizvoll ist der Singletrack auf den Passo di Valle Alpisella. Im unteren Teil Ausblicke auf den Lago di Livignio, weiter oben quert man auf einer urigen Holzbr\u00fccke das enger werdende Tal. Ab hier wird der Weg etwas technischer, doch ohne Tragepassage erreicht man die Pa\u00dfh\u00f6he.<\/p>\n<p><b>Tremalzo<\/b> Zur Abfahrt vom Tremalzo braucht man nicht mehr viele Worte zu verlieren. Wir haben die Route \u00fcber den Passo Nota nach Pregasina gew\u00e4hlt, die landschaftlich und fahrtechnisch \u00e4u\u00dferst abwechslungsreich ist. Schnelle Schotter Downhills, technische Singletrails, diese Abfahrt bietet alles. Top!<\/p>\n<h1><\/h1>\n<h1>Infos<\/h1>\n<p><b>Route<\/b> Auf unseren Alpen\u00fcberquerung folgen wir teilweise einer Route, die in Mountain-Bike-Kreisen ebenso ber\u00fchmt ist, wie einst die Route von Hannibal unter den Historikern: Die Heckmair-Route. Vorbild f\u00fcr viele verschiedenen Touren \u00fcber die Alpen. Auch wir haben diese Route als Basis unserer Planung genutzt, weichen aber nach den ersten vier Tagen davon ab, weil wir uns den Gaviapa\u00df und eine mehrst\u00fcndige Tragepassage am Lago di Campo sparen wollen. Alternativen von Bormio aus sind rar, so umgehen wir zwar die Tragepassage, haben daf\u00fcr jedoch relativ viel Asphalt zu bew\u00e4ltigen. Auch nicht das, was wir uns gew\u00fcnscht haben, doch landschaftlich interessant und deswegen besser als einige Stunden Schinderei mit dem Rad auf dem Buckel.<\/p>\n<p>Day 1: Oberstdorf &#8211; Faistenoy &#8211; Schrofenpa\u00df &#8211; Warth &#8211; Lech &#8211; Formarinsee &#8211; Freiburger H\u00fctte (1465HM, 60km)<\/p>\n<p>Day 2: Freiburger H\u00fctte &#8211; Dalaas &#8211; Kristbergsattel &#8211; Bartholom\u00e4berg &#8211; Schruns &#8211; St. Gallenkirch &#8211; Gargellen &#8211; Schlappiner Joch &#8211; Schlappin (2026HM, 55km)<\/p>\n<p>Day 3: Schlappin &#8211; Klosters &#8211; Davos-Dorf &#8211; D\u00fcrrboden &#8211; Scalettapa\u00df &#8211; S-chanf (1592HM, 56km)<\/p>\n<p>Day 4: S-chanf &#8211; Pass Chaschauna &#8211; Livignio &#8211; Passo di Valle Alpisella &#8211; Lago di San Giacomo &#8211; Bormio (1503HM, 66km)<\/p>\n<p>Day 5: Bormio &#8211; Valdidentro &#8211; Val Verva &#8211; Passo di Verva &#8211; Grosio &#8211; Mazzo &#8211; Passo della Foppa &#8211; Monno &#8211; Edolo &#8211; Sonico &#8211; Zazza &#8211; Cedegolo (2668HM, 105,5km)<\/p>\n<p>Day 6: Cedegolo &#8211; Badetto &#8211; Niardo &#8211; Breno &#8211; Passo Croce Domini &#8211; Albergo Blumone &#8211; Passo di Brealone &#8211; Storo (2588HM, 89km)<\/p>\n<p>Day 7: Storo &#8211; Forte Ampola &#8211; Valle di Lorina &#8211; Tremalzopa\u00df &#8211; Pregasina &#8211; Riva (1873HM, 54,5km)<\/p>\n<p>Summe: 13715HM, 486km (H\u00f6henmeter summiert aufgrund Kartenangaben)<\/p>\n<p><b>H\u00f6henprofil<\/b><\/p>\n<figure id=\"attachment_1012\" aria-describedby=\"caption-attachment-1012\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blog.vielevisels.de\/wp-content\/uploads\/2004\/08\/2004-10-12-MTB-AlpenX_Hoehenprofil.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1012\" src=\"http:\/\/blog.vielevisels.de\/wp-content\/uploads\/2004\/08\/2004-10-12-MTB-AlpenX_Hoehenprofil.jpg\" alt=\"H\u00f6henprofil\" width=\"800\" height=\"477\" srcset=\"https:\/\/vielevisels.de\/wp-content\/uploads\/2004\/08\/2004-10-12-MTB-AlpenX_Hoehenprofil.jpg 800w, https:\/\/vielevisels.de\/wp-content\/uploads\/2004\/08\/2004-10-12-MTB-AlpenX_Hoehenprofil-300x178.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1012\" class=\"wp-caption-text\">H\u00f6henprofil Alpencross 1994<\/figcaption><\/figure>\n<div><\/div>\n<p><b>Kartenmaterial<\/b><\/p>\n<p>Kompass Nr. 3 Allg\u00e4uer Alpen, Kleinwalsertal (1:50.000)<\/p>\n<p>Kompass Nr. 32 Bludenz, Schruns, Klostertal (1:50.000)<\/p>\n<p>Kompass Nr. 41 Silvreta, Verwallgruppe (1:50.000)<\/p>\n<p>Landeskarte der Schweiz Nr. 248 Pr\u00e4ttigau (1:50.000)<\/p>\n<p>Landeskarte der Schweiz Nr. 258 Berg\u00fcn (1:50.000)<\/p>\n<p>Landeskarte der Schweiz Nr. 259 Ofenpass (1:50.000)<\/p>\n<p>Kompass Nr. 96 Bormio, Livignio (1:50.000)<\/p>\n<p>Kompass Nr. 94 Edolo, Aprica (1:50.000)<\/p>\n<p>Kompass Nr. 103 Le Tre Valli, Bresciane (1:50.000)<\/p>\n<p>Kompass Nr. 071 Alpi di Ledro, Valli Giudicarie (1:50.000)<\/p>\n<p><b>R\u00fccktransport<\/b> Der R\u00fccktransport gestaltete sich aus Italien etwas schwierig, da die R\u00e4der nicht per Bahn \u00fcber die Grenze zu bringen waren. Wir haben meinen Bruder mit Freundin gewinnen k\u00f6nnen, ein kurzes Wochenende am Gardasee mit unserer Abholung zu verbinden. War nat\u00fcrlich \u00e4u\u00dferst komfortabel, und durch unsere etwas zusammengeschmolzene Gruppe auch mit einem Auto zu schaffen. Dank noch mal an Tanja und Frank!!!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einmal \u00fcber die Alpen! Schon f\u00fcr Hannibal vor \u00fcber 2000 Jahren erkl\u00e4rtes Ziel. Auch wir haben uns dieses Ziel gesteckt, statt den Elefanten satteln wir aber lieber unsere Mountain Bikes. Sechs Tage f\u00fcr die Strecke von Oberstdorf bis an den Gardasee! 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