{"id":19,"date":"2013-08-18T21:14:55","date_gmt":"2013-08-18T20:14:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.vielevisels.de\/?p=19"},"modified":"2016-01-14T21:26:32","modified_gmt":"2016-01-14T20:26:32","slug":"2013-langstrecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vielevisels.de\/?p=19","title":{"rendered":"Langstrecke: Finale 2013"},"content":{"rendered":"<h1><b>Die Langstrecken 2010-2013<\/b><\/h1>\n<p>Eigentlich ziehe ich das Mountainbiken in der Natur dem Kilometerschrubben im Stra\u00dfenverkehr vor. Aber irgendwie hat mich die Strecke Stuttgart \u2013 Dierdorf schon l\u00e4nger gejuckt, quasi aus dem Mittelalter (meinem) zur\u00fcck in die Jugend. 2010 habe ich die 300km am St\u00fcck dann mit erstaunlich wenig Problemen geschafft, und seitdem lege ich mir die Latte jedes Jahr ein bisschen h\u00f6her:<\/p>\n<ul>\n<li>2010: Stuttgart \u2013 Dierdorf. 302km, 2400HM, zum Anfixen.<\/li>\n<li>2011: Stuttgart \u2013 Bleifeld. Frank besuchen. 392km, knapp an den 400km vorbei.<\/li>\n<li>2012: Stuttgart \u2013 Dierdorf, 300km, 2800HM \u00fcber die Taunus-Route.<\/li>\n<li>2012: Stuttgart \u2013 Schwabach \u2013 Stuttgart. 412km, das erste Mal die Nacht durch.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aber die geplanten 10km pro Lebensjahr habe ich letztes Jahr (aufgrund etwas nachl\u00e4ssiger Kalenderpflege) nicht geschafft, damit ist das Ziel f\u00fcr 2013 klar: 450km.<\/p>\n<p>Anfang August der erste Versuch. Auch wenn die ausgeknobelte Strecke zu Joachim nach Luzern schon 250km einfach betr\u00e4gt und der Wetterbericht 36-38\u00b0C prognostiziert, will ich es probieren. Chancen? Nicht dr\u00fcber nachdenken. Unter den Randbedingungen bin ich dann auch froh, nach 275km mit schweren Beinen und weichgekochtem Hirn bei Joachim Asyl f\u00fcr die Nacht zu bekommen und den R\u00fcckweg am n\u00e4chsten Tag mit der Bahn zur\u00fccklegen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>2 Wochen sp\u00e4ter der zweite Versuch, Ziel diesmal Tutzing, zum Abendessen bei Thea und Uwe. Temperaturen (28\u00b0C) und Kilometer (225km einfach) passen. Start kurz nach f\u00fcnf, Sonnenaufgang am Albaufstieg im Lenninger Tal, tolle Nebenstra\u00dfen auf der Alb und Fr\u00fchst\u00fcck in Ulm. Zwiebelt\u00fcrme in Bayern, kleinere Stra\u00dfen, viele Radwege, eigentlich nett zu fahren. Aber die Zweifel ob ich es schaffen kann werden st\u00e4rker, noch nicht mal ein Drittel und eigentlich bin ich fertig. Deshalb 75km nach Ulm schon wieder eine Pause. Aber je weiter ich vorankomme, desto selbst\u00e4ndiger arbeiten die Beine. Pause in Landsberg, danach steiler Anstieg aus dem Lechtal und auf und ab bis zum Ammersee. Mit unerwartet steilem Schlussanstieg bin ich um 17:30 in Tutzing, 230km.<\/p>\n<p>Ausgiebiges und gem\u00fctliches Abendessen mit Thea und Uwe, erst nach zweieinhalb Stunden dr\u00e4ngt es mich wieder aufs Rad. In Landsberg kurz vor 23:00 noch viel los, ich trinke an einem Pizzaservice eine Cola und hole Pizzabrot f\u00fcr unterwegs. Viel Hunger habe ich noch nicht nach dem tollen Abendessen. Viele Landwirte fahren noch Getreide ein, vom Staub tr\u00e4nen und jucken mir die Augen. Gegen 3:30 Pause in Ulm an einer Tanke, Cola und Sandwich f\u00fcr die n\u00e4chsten Kilometer. Aus Ulm heraus Richtung Blaustein \u00fcberf\u00e4llt mich die M\u00fcdigkeit, eine gerade Linie kann ich kaum noch fahren, die Konzentration sinkt gef\u00e4hrlich ab, mir fallen beim Fahren die Augen zu. Kurze Pause, lehne mich mit dem R\u00fccken an ein Gel\u00e4nder, und schlie\u00dfe f\u00fcr 10 Minuten die Augen. Als der Kopf nach vorne f\u00e4llt, geht es wieder aufs Rad. Es ist 4:30, jetzt Musik, die MP3s lasse ich zuf\u00e4llig abspielen. \u201eBicycle Race\u201c ist das erste St\u00fcck, bei \u201eI want to ride my bicycle\u201c frage ich mich schon, ob ich das wirklich will. Nummer zwei dann \u201eOur Darkness\u201c von Anne Clark, passt zur Situation. Stockdunkel ist es, auch die letzten Nachtschw\u00e4rmer liegen jetzt im Bett. Als drittes: \u201eHey you\u201c von Pink Floyd. \u201eHey you! Out there in the cold, getting lonely, getting old\u201d beschreibt ganz gut wie ich mich f\u00fchle. Allein in der kalten Nacht, und so ganz taufrisch bin ich auch nicht mehr.<\/p>\n<p>Der erste Anstieg ist nicht so schlimm wie gedacht, auf der Alb ist es wellig. Nach dem Kurz-Schlaf bin ich wieder einigerma\u00dfen wach. Die Kilometer addieren sich, so langsam r\u00fcckt das Ziel in \u201egreifbare\u201c N\u00e4he. Das \u201eich kann es schaffen\u201c weicht einem trotzigen \u201eich werde es schaffen\u201c. Sonnenaufgang auf der Alb, vor dem Albabstieg rechne ich kurz hoch: 465km werden es bis Stuttgart, noch gut drei Stunden, das ist drin! Vor Kirchheim Fr\u00fchst\u00fcck an einer B\u00e4ckerei, nach der Pause f\u00fchle ich mich einigerma\u00dfen erholt. Doch dann schlagen die Gedanken merkw\u00fcrdige Kapriolen und denken schon ans n\u00e4chste Jahr. 500km in 2014? Jetzt bin ich so nah dran! Das nicht auch noch zu versuchen w\u00fcrde das ganze Jahr an mir nagen. Also: Umweg durchs Neckartal und in Cannstatt Blick auf den Tacho. Es fehlen immer noch 25km bis 500, also weiter bis nach Remseck und dann auf der anderen Neckarseite zur\u00fcck. In Heslach wird klar, die 500km schaffe ich genau. Blick auf Tacho: 3850HM, 23:40 reine Fahrzeit. Sollen wirklich die paar HM und Minuten fehlen? Also ein weiterer Umweg: Hoch bis Vaihingen, zum Vaihinger Bahnhof und dann durch den Park zur\u00fcck. 11:30 biege ich in die Hofeinfahrt ein, 506km, 4005HM, 30,5 Stunden unterwegs, davon 24h reine Fahrtzeit. GESCHAFFT!<\/p>\n<p>Duschen, etwas Essen und ins Bett. Nach 20 Minuten Anruf von Alina aus den USA, sch\u00f6n von ihr zu h\u00f6ren! Dann schlafe ich doch noch ein, 17:00 bin ich wieder auf den Beinen, aber noch nicht so richtig bei mir. Treppensteigen f\u00e4llt unendlich schwer, am meisten machen aber die Augen zu schaffen, die durch den Getreidestaub immer noch jucken. Erst Sonntag mittag stellt sich ein Allgemein-Zustand ein, der mit \u201efertig, aber einsatzf\u00e4hig\u201c beschreibbar ist.<\/p>\n<p>Auf der Langstrecke habe ich meine Grenzen so weit verschoben, wie ich es nie f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte. Doch mit den \u00fcberschrittenen 500km gibt dieser kleine Teufel, der nach immer l\u00e4ngeren Strecken schreit, endlich Ruhe. F\u00fcr 2014 suche ich mir neue Ziele abseits der Langstrecke. Aber das hatte ich 2012 auch schon mal vor.<\/p>\n<p><i>Eine Frage bleibt noch zu kl\u00e4ren. Die nach dem Wieso.<\/i><\/p>\n<p><i>Eine Antwort habe ich auch nicht. Sich selbst was beweisen, sich zeigen, zu was man f\u00e4hig ist? Zu sehen, wieweit der Kopf sich gegen den K\u00f6rper durchsetzt? <\/i><\/p>\n<p><i>Bei der Planung \u00fcberwiegt die Euphorie, der Gedanke an den Erfolgt schiebt die Zweifel in den Hintergrund. Die kommen dann die Tage vor dem Start. Habe ich mir zu viel vorgenommen? Viermal so viel fahren, wie meine l\u00e4ngste Tour dieses Jahr (nach der ich den ganzen n\u00e4chsten Tag noch schlapp war)? Das kann ja nicht gehen!<\/i><\/p>\n<p><i>Doch sobald ich auf dem Rad sitze, \u00fcberwiegt der Stolz auf den eigenen Mut, es \u00fcberhaupt zu versuchen. Am Anfang bremse ich mich bewusst. Zunehmend machen sich Muskeln und Sitzfleisch bemerkbar, K\u00f6rper und Wille fangen an zu diskutieren, doch der Wille treibt. Nach 110km, einem Viertel der Strecke, schaltet sich der Verstand ein und rechnet hoch: Das kann nicht klappen. Doch sitzenbleiben geht auch nicht, also langsam weiter, kurze Pausen. Und irgendwann, so ab km 180, bewegen sich die Beine ganz von selbst, K\u00f6rper, Wille und Verstand schlie\u00dfen Waffenstillstand und alle ziehen gemeinsam am gleichen Strick. Und die Leistung, die man dann bringen kann, ist schon beachtlich.Nicht schnell, aber laaaaaang\u2026<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>506km, 4005HM, 24h15 reine Fahrzeit (30h40 gesamt mit Pausen)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danke an<\/p>\n<ul>\n<li>Axel f\u00fcr den Ersatzakku und die moralische Unterst\u00fctzung<\/li>\n<li>Andrea und Joachim f\u00fcr Kost und Logis in Luzern<\/li>\n<li>Thea und Uwe f\u00fcr das feudale Abendessen in Tutzing<\/li>\n<li>Gina, die nur noch resigniert mit dem Kopf sch\u00fcttelt \u201emach dich nicht kaputt\u201c\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &lt;3<\/li>\n<\/ul>\n<p>;-)=<\/p>\n<figure id=\"attachment_222\" aria-describedby=\"caption-attachment-222\" style=\"width: 474px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blog.vielevisels.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/CIMG5031.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-222\" alt=\"Dokumentation\" src=\"http:\/\/blog.vielevisels.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/CIMG5031-768x1024.jpg\" width=\"474\" height=\"632\" srcset=\"https:\/\/vielevisels.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/CIMG5031-768x1024.jpg 768w, https:\/\/vielevisels.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/CIMG5031-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-222\" class=\"wp-caption-text\">Dokumentation<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Langstrecken 2010-2013 Eigentlich ziehe ich das Mountainbiken in der Natur dem Kilometerschrubben im Stra\u00dfenverkehr vor. 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