{"id":225,"date":"2012-07-15T22:48:08","date_gmt":"2012-07-15T21:48:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.vielevisels.de\/?p=225"},"modified":"2016-01-14T21:27:17","modified_gmt":"2016-01-14T20:27:17","slug":"langstrecke-intermezzo-juli-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vielevisels.de\/?p=225","title":{"rendered":"Langstrecke: Intermezzo Juli 2012"},"content":{"rendered":"<h1>Das Gesetz der gro\u00dfen Zahlen \u00a0\u00a0 oder Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.<\/h1>\n<address>2010: 302km in 17 Stunden<br \/>\n2011: 392km in 22 Stunden<\/address>\n<p>Zitat aus meinem Bericht: &#8222;Und 2012? Da brauche ich glaube ich mal wieder eine Mountainbike-Tour, da kann ich mir dann f\u00fcr die 400km eine Woche Zeit lassen.&#8220;<\/p>\n<p>Doch die gro\u00dfen Zahlen (400km und 24 Stunden) \u00fcben dann doch eine Faszination aus. Und bringen die Erkenntnis, dass 2 Stunden f\u00fcr 8km mehr keine wirklich erw\u00e4hnenswerte Leistung ist. Also neue Daten f\u00fcr 2012: 440km (10 f\u00fcr jedes Lebensjahr) und 24h Fahrzeit. Als Ziel (um dem ganzen den Anschein von Sinn zu geben): Abends bei Manfred und Heike in Schwabach vorbeischauen und zum Fr\u00fchst\u00fcck bei Uwe und Thea am Starnberger See. Jetzt noch einen Freitag Urlaub zwischen Firmen- und privaten Terminen eingeschoben und auf gutes Wetter hoffen.<\/p>\n<p>Doch: 15Grad Maximum, 90% Regenwahrscheinlichkeit und keine Sonne animieren nicht wirklich. Also Schieben auf unbestimmt. Doch Samstag morgen, strahlend blauer Himmel. Wetterradar sieht gut aus. Wieso habe ich eigentlich nicht von vorneherein den Samstag geplant? Zum Treffen mit Freunden am Sonntag abend kann ich wieder da sein. Und sogar Uwe pers\u00f6nlich zum Geburtstag gratulieren!<\/p>\n<p>Also kurzentschlossen los. Kurz nach 9:00 Start. Stadtmitte, Fellbach, Kernen. Durchs Remstal aufw\u00e4rts. Mittlerweile dichte Wolken in allen Grauschattierungen,aber auch blaue Stellen. Erinnerungen an Kloster Lorch und Joanas Mauer-Unfall (da steht jetzt ein Gel\u00e4nder, das leider nur in Richtung Fluss hilft). Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd. Um 12:00 kurzer Regenschauer, stelle mich 5 Minuten unter. Doch nach 500m geht es heftig los, sieht nachhaltig aus. Also fr\u00fche Mittagspause nach noch nicht einmal 70km. 12:45 satt und trocken, auch von oben.<\/p>\n<p>Aalen (knapp 90km), es klart zusehends auf. Die ganze Zeit R\u00fcckenwind, und zwar kr\u00e4ftig. Kocher abw\u00e4rts. Limes-Museen an mehreren Stellen. Idyllisches W\u00f6rnitztal (130km), Null Autoverkehr. Sonne! Wieso habe ich eigentlich die Kamera zu Hause gelassen? Gunzenhausen (17:15, 160km, 1200HM) Kaffepause und Oldtimer-Rallye. Danach geht es steil hoch und runter. Tolles Wetter, toller Ausblick. 19:30, 200km, 1700HM in Schwabach. Snack und Kaffee bei Manfred und Heike. Danke!<\/p>\n<p>20:30 wieder auf dem Rad. Und ich habe noch nicht mal die H\u00e4lfte hinter mir, fahre jetzt in die Nacht. Aber der Tag war toll, alles richtig gemacht. Timing, Sonne, Landschaft und dazu stundenlanger R\u00fcckenwind. Das ist wie ein Lottogewinn.<\/p>\n<p>Kurz vor 9 SMS von Alina: &#8222;Papa, wir haben Joanas Konfirmanden-Vorstellungs-Gottesdienst morgen fr\u00fch vergessen!&#8220; Jetzt f\u00e4llt mir auch wieder ein, wieso das Wochenende blockiert war. Wie konnte mir das passieren, steht alles dick im Kalender! Mist! Anruf bei Joana, es sei ihr nicht so wichtig. Trotzdem, mich plagt das schlechte Gewissen. In N\u00fcrnberg in den Zug? Kein Bock. Nach etwas hin- und her der Plan: Navi leitet mit nach Gunzenhausen, dann auf dem Hinweg zur\u00fcck. Hat bestimmt auch Charme, die Strecke im Dunkeln r\u00fcckw\u00e4rts zu fahren. Um 9:00 muss ich in Kaltental sein, um vorher noch Duschen zu k\u00f6nnen. Mal sehen, ob das klappt. Soviele Pausen wie auf dem Hinweg kann ich dann nicht machen. Egal, hat ja eh nichts auf. Und die Geburtstagsw\u00fcnsche gibt es dann leider nur per Telefon.<\/p>\n<p>Strecke bis Gunzenhausen zieht sich, weil ich einigen Feld- und Waldwegen ausweichen muss und das Navi eher nach sch\u00f6n als nach schnell navigiert. So verliere ich viel an Zeit.<\/p>\n<p>Halb 12 in Gunzenhausen: Hunger. Danach kommt ewig nichts. Eine Pizzeria hat noch offen, lecker Linguine. Viertel nach 12 geht es dann auf die letzten 160km, in Summe werden es dann wohl 410. Beine funktionieren v\u00f6llig automatisch, nicht arg viel Druck aber konstant. Wind ist zum Gl\u00fcck v\u00f6llig eingeschlafen. Mit der Zeit kommt die M\u00fcdigkeit. Von 2 bis 3 l\u00e4uft Musik vom Handy, h\u00e4lt wach. Ein Igel, ein paar F\u00fcchse und ein Hase heben den Adrenalinspiegel, Schnecken und Nachtfalter st\u00f6ren weniger. Der Igel w\u00e4re spannend geworden: Im Dunkeln zig Stacheln aus dem Reifen zu operieren&#8230;<\/p>\n<p>Kurz nach drei: Noch 100km! Schon \u00fcber 2600HM, mehr als die Planung per GPS-Route. Verflixt. Magen dr\u00fcckt, die Portion war etwas gro\u00df, kann ich jetzt nicht brauchen. Sternenhimmel, aufgehender Mond mit einem kleinen Stern als Bommelm\u00fctze. Klasse.<\/p>\n<p>Kurz nach vier, erste Anzeichen der D\u00e4mmerung hinter mir. Um f\u00fcnf kann ich das Navi wieder ohne Licht lesen. Ich schlafe schier ein, halte mich m\u00f6glichst in Stra\u00dfenmitte um nicht versehentlich einen Bordstein mitzunehmen. Sonne ist noch zu schwach, die K\u00e4lte kriecht mir in die Knochen. Die langsam besser werdende Sicht hilft.<\/p>\n<p>Kurz nach 6 die erste bemannte Tanke in Schorndorf, schneller Kaffe und belegtes Br\u00f6tchen, sonst wird die Zeit eng. Habe zuviel Zeit mit Entscheidung und Streckensuche verdaddelt. 6:45 wieder auf dem Rad, 375km, 35 to go, davon viel aufw\u00e4rts. Wenn alles mitmacht, wird es bis 9:00 reichen.<\/p>\n<p>8:00 Schlosspark: 400km! Melde mich zu Hause an, meine M\u00e4dels w\u00e4hnen mich auf dem Weg nach Tutzing.<\/p>\n<p>8:15 Stadtmitte: Reststrecke plus gefahrene KM ist kleiner 410, das geht gar nicht! Also fahre ich noch hoch zum Viadukt, um dann mit 412km nach 24 Stunden vor dem Haus zu stehen. 3350HM laut GPS, 22,8km\/h Schnitt, 18h05 reine Fahrzeit. Kakao, Duschen und per Rad zur Kirche, mit dem Glockenl\u00e4uten sitze ich. Nach \u00fcber 400km ein ganz ordentliches Timing. Halte mich irgendwie wach, erst zu Hause lege ich mich f\u00fcr eine Stunde hin. Nach der Ruhe sp\u00fcre ich erst die Strapazen: Knie und Hintern vom Fahren, Lippen von der Sonne, Augen von der M\u00fcdigkeit. Egal.<\/p>\n<p>So, und jetzt google ich die n\u00e4chste Tour. Von langen Stra\u00dfenschindereien habe ich (f\u00fcr heute) die Nase voll. Auch wenn die 440km noch ausstehen. Daf\u00fcr geht es in wenigen Wochen mit dem Bike in die Alpen. Mit Madritschjoch und Eisj\u00f6chl stehen Nr. 2 und 3 der h\u00f6chsten per Bike befahrbaren (was auch immer das hei\u00dft, das Rad muss halt mit r\u00fcber) Alpenp\u00e4sse auf dem Programm. Auf der Nr. 1, dem Chaberton (3136m) war ich schon. Und auch dann hoffen wir wieder auf gutes Wetter!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gesetz der gro\u00dfen Zahlen \u00a0\u00a0 oder Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. 2010: 302km in 17 Stunden 2011: 392km in 22 Stunden Zitat aus meinem Bericht: &#8222;Und 2012? 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