{"id":233,"date":"2011-08-02T18:52:17","date_gmt":"2011-08-02T17:52:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.vielevisels.de\/?p=233"},"modified":"2016-01-14T21:27:18","modified_gmt":"2016-01-14T20:27:18","slug":"langstrecke-intermezzo-august-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vielevisels.de\/?p=233","title":{"rendered":"Langstrecke: Intermezzo August 2011"},"content":{"rendered":"<h1>Fahren bis zum Ziel&#8230;<\/h1>\n<p>\u2026 oder bis ich vom Rad falle.<\/p>\n<p>2010: Die 300km Rennrad zu den Orten meiner Jugend habe ich erstaunlich locker geschafft, die l\u00e4ngste Tour meiner Fahrradlaufbahn bis dato. 2011: Ist noch eine Steigerung drin? Mein Bruder wohnt noch mal knapp 100km weiter im Norden, und legt damit die Latte noch mal etwas h\u00f6her.<\/p>\n<p>Der Plan: Durchs W\u00fcrmtal nach Pforzheim, Anstieg zur Pfinz und diese dann abw\u00e4rts bis Karlsruhe, bei Germersheim \u00fcber den Rhein, an Speyer vorbei \u00fcber Alzey nach Bingen. Dann am Rhein entlang bis Bonn, und dann die letzten 30km aufw\u00e4rts nach R\u00f6srath. GPS-Daten sind fertig. Nachdem (v\u00f6llig \u00fcberraschend) die Tage Anfang August schon wieder deutlich k\u00fcrzer werden, geht es am 2.8. spontan los, die Sch\u00f6nwetterl\u00fccken ausnutzend.<\/p>\n<p>Montag abend zeitig in die Koje (geschlafen habe ich trotzdem nicht), um 00:00 klingelt der Wecker, Fr\u00fchst\u00fcck und um 00:45 sitze ich auf dem Rad. Die Temperaturen sinken nach 2:00 nochmal deutlich, und im feuchtkalten W\u00fcrm- und Pfinztal bin ich froh um die Windjacke, die ich doch noch eingepackt habe. Ein Buff und Beinlinge h\u00e4tten auch nicht geschadet. Zur D\u00e4mmerung bin ich in den Rheinauen, und suche mir auf der anderen Rheinseite in Dudenhofen bei Speyer den ersten B\u00e4cker, der aufmacht. Gels und Riegel habe ich erst mal genug. Der Stehtisch ist f\u00fcr die Erholung wenig zutr\u00e4glich, und so k\u00e4mpfe ich die n\u00e4chsten zwei Stunden mit der Unwilligkeit meiner Beine. Bei den Steigungen noch mit gen\u00fcgend Druck, verweigern sie in der Ebene den Dienst. So wird das nichts, erste Gedanken ans Aufgeben. Doch zumindest bis nach Bingen will ich kommen. Also zuerst eine ungeplante Pause. Doch Dienstag morgens hat au\u00dfer den B\u00e4ckern nichts auf, und die sind gerade rar. So hangele ich mich langsam von Ort zu Ort, dabei schone ich meine Kr\u00e4fte und komme so tats\u00e4chlich noch bis Alzey. Dann endlich ausgiebige Pause mit zwei Riesen St\u00fccken Torte. Nach Alzey mit vielen kleineren Steigungen bis Bingen. Die Temperaturen sind mittlerweile hochsommerlich, und meine Kr\u00e4fte kehren langsam wieder. Also weiter, aufgeben kann ich sp\u00e4ter auch noch. Also auf den Rheinradweg und am Rhein entlang (immer mit Blick auf den Rheinsteig, aber das ist eine andere Geschichte). Hier ist viel los, Tourenradler mit Gep\u00e4ck sind in kleinen und gro\u00dfen Gruppen unterwegs. Trotzdem komme ich ganz ordentlich voran. Um 13:45 ist Mittagspause in Oberwesel angesagt, endlich mal was anderes als Kuchen. 250km habe ich hinter mir. Die Hoffnung steigt, die Tour doch noch erfolgreich abzuschliessen. Eine Stunde Pause lassen den Beinen Zeit, sich etwas zu regenerieren, und auch Hintern und H\u00e4nde sind froh um reduzierte Druckstellen. Bis Rhens bleibt der Radweg gut und auch f\u00fcr die schmalen Rennradreifen geeignet, ab da kommen ein paar Kopfsteinpflasterstrecken. In Koblenz l\u00e4sst die Buga gr\u00fc\u00dfen, viele Spazierg\u00e4nger. Nach der Mosel\u00fcberquerung erstmal eine Umleitung. Die Strecke nach Koblenz ist landschaftlich lange nicht so attraktiv wie zwischen Bingen und Koblenz, hier geht es ums Kilometermachen. Mit dem Rennrad h\u00e4tte es sich an einigen Stellen gelohnt, auf der Hauptstra\u00dfe abzuk\u00fcrzen, irgendwo habe ich vermutlich die Beschilderung \u00fcbersehen und lande auf einem naturbelassenen Leinpfad. Vielleicht der Grund f\u00fcr den Speichenbruch, der mich sp\u00e4ter erwischt. In Andernach f\u00fclle ich mal wieder meine Wasservorr\u00e4te, lasse meine Beine ein paar Minuten ausruhen und weiter geht\u2019s. Das Ziel r\u00fcckt n\u00e4her. Mit einer kurzen Pause vor Bonn wappne ich mich f\u00fcr den Anstieg. Es ist 20:45, Licht wird f\u00e4llig. Nach 355km geht es \u00fcber die Rheinbr\u00fccke, noch gut 30km laut Navi. Dann ganz gem\u00e4chlich bergan, trotzdem auf einmal ein stechender Schmerz im rechten Knie. Zwischen Siegburg und Troisdorf versagt die Tourenplanung, ein paar kurze f\u00fcr Radfahrer gesperrte Strecken zwingen mich auf Umwege, die vor allem Zeit kosten. Erst um 22:00 stehe ich kurz nach Lohmar vor dem letzten finalen Anstieg auf die Scheiderh\u00f6he. Mein Knie schmerzt bei jedem Tritt, so gut es geht versuche ich schonend zu fahren. Im st\u00e4ndigen Auf- und Ab ziehen sich die letzten Kilometer endlos. 22:43, das Handy macht sich mit lautem Fahrradklingeln bemerkbar. \u201eI want to ride my bicycle\u201c klingt Freddies Stimme aus dem Lautsprecher. Frank\u2019s Frage, wann ich komme, beantworte ich mit \u201enoch 2 Minuten\u201c. 22:45, stehe ich vor der Verandat\u00fcr und werde von Frank und Nina in Empfang genommen. Sogar Rosa ist p\u00fcnktlich aufgewacht, mich zu begr\u00fc\u00dfen. Geschafft. Dusche. Essen. Bett.<\/p>\n<p>Und zwei Tage sp\u00e4ter die positive Bilanz: 392km, 1820HM. 22h unterwegs, davon 18h reine Fahrzeit. 1 Speichenbruch. Eine leichte Sattelaversion, und die rechte Hand kribbelt immer noch. Die durch den Rucksackgurt blutig gescheuerte Haut an den Schl\u00fcsselbeinen verheilt langsam. Muskelkater h\u00e4lt sich in Grenzen, aber so ganz freiwillig bewegen sich die Beine noch nicht wieder. Knieschmerzen sind weg, so lange ich nicht zwei Stufen auf einmal die Treppe runterspringe.<\/p>\n<p>Und 2012? Da brauche ich glaube ich mal wieder eine Mountainbike-Tour, da kann ich mir dann f\u00fcr die 400km eine Woche Zeit lassen.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne Gr\u00fc\u00dfe, Euer Kai Und einen Dank an alle, die mich mental (oder durch Asyl) unterst\u00fctzt haben! :-)=<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fahren bis zum Ziel&#8230; \u2026 oder bis ich vom Rad falle. 2010: Die 300km Rennrad zu den Orten meiner Jugend habe ich erstaunlich locker geschafft, die l\u00e4ngste Tour meiner Fahrradlaufbahn bis dato. 2011: Ist noch eine Steigerung drin? 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