First Time: Graveln in Andalusien

2 Wochen Sommerurlaub in Andalusien, und davor eine Woche Zeit, mit dem Rad die Gegend um Malaga zu erkunden. Für die Forststraßen und Feldwege durch die Olivenhaine leihe ich mir ein gutes Gravelbike und habe fünf Tage Zeit, die Landschaft zu genießen. Und zu prüfen, ob Graveln was für mich ist.

Das Megamo SILK ist mit einer elektronischen Sram Schaltung ausgerüstet, was mir den Einstieg in die Drop Bar Welt einfach macht. Vollcarbon Chassis und leichte Laufräder von Fulcrum mit Pirelli-Reifen drücken das Gewicht bergauf, und bergab verzögern die Sram Scheibenbremsen. Auch ein Novum für mich: Das Rad darf mit in die Wohnung 🙂

22. September, Casarola Umrundung

Die erste Tour geht nach Norden ins Hinterland von Malaga, im Tal des Rio Guadalmedina aufwärts. Zu dieser Jahreszeit in der Stadt ein Rinnsaal, dienen die Stauseen der Wasserversorgung der Stadt. 400HM geht es auf Asphalt bergauf bis auf den Kamm, ich genieße das leichte Rad, den steifen Rahmen und die leicht rollenden Reifen. Dann geht es weiter Richtung Westen, und auf einem breiten Schotterweg steil abwärts, teils mit über 20% Gefälle. Die tief ausgewaschenen Längsrinnen, querlaufende Wassergräben und teils grobe Steine machen die Fahrt anspruchsvoll und ich wünsche mir mein MTB. Die Griffposition an den Hoods erlaubt zwar die Betätigung der Bremsen, bei dem steilen Gelände kostet das aber zu viel Kraft, und ein Anheben des Vorderrades über die quer verlaufenden Gräben ist nicht möglich. Die Handposition im Bogen erlaubt zwar mehr Bremskraft und auch eine bessere Zugmöglichkeit, aber ist bei dem Gefälle nicht angenehm.

3 Kilometer geht es auf diesem Weg voran, bis ich wieder auf eine Straße am Embalse de Calasola treffe. Zum Glück ist nicht alles so steil, und bei leichtem Gefälle oder Steigungen komme ich gut zurecht. Einziges Problem sind die faustgroßen Steine, die sich im Staub gut tarnen und viel Aufmerksamkeit erfordern.

Bei der Umrundung des Embalse wartet noch mal eine heftige Steigung auf mich, bei über 30° und praller Sonne bin ich dann froh am unteren Ende des Stausees ein einfaches Lokal zu finden, und sitze gemütlich im Schatten, bevor ich mich auf Asphalt wieder in die Abfahrt (mit dem ein oder anderen Gegenanstieg) stürze.

Nach 4 Stunden, mit gut 50km und 1000HM in den Beinen komme ich wieder in der Unterkunft an, und wir genießen den Rest des Tages zu zweit Stadt und Strand.

23. September, Tour nach Alhaurin

Nachdem das Rad schon startbereit im Zimmer steht, komme ich heute früher raus, und nehme Kurs gen Westen. Erstmal an der gut ausgebauten Strandpromenade entlang, und am Rio Guadalhorce biege ich südlich um den Flughafen wieder ins Hinterland ab bis ich in Alhaurin el Grande bereit bin für eine Pause.

Die kurvigen Radwege entlang der Promenade machen mit dem Gravelbike viel Spaß, leicht lässt es sich beschleunigen und um die Kurven dirigieren. Im Naturschutzgebiet des Mündungsdeltas geht es für ein paar Kilometer auf festem Erdweg entlang. Auch hier ist das Megamo in seinem Element, zügig geht es voran.

Am nördlichen Fuße des Pico Mijas geht es nach der Stärkung wieder zurück, nördlich des Flughafens durch eine Furt, und immer wieder auf staubige Erdwege, bis mich die Stadt wiederhat.

5 Stunden, 70 Kilometer, 550HM, perfektes Terrain für das Gravel-Bike. Das Nachmittagsprogramm? Auf der Suche nach der besten Eisdiele Malagas durch die Stadt, und zum Abschluss in der Rooftop Bar essen.

24. September, Reina.

Heute habe ich eine Tour zur Eremitage del Cotron geplant, muss aber unterwegs meine Grenzen erkennen, ebenso wie die des Gravel Bikes, und auch die der Landbesitzer.

Bis Las Manillas geht es wieder auf der bekannten Strecke Richtung Norden, dann biege ich aber nach Osten auf den Kamm ab. Der Weg wird schnell steil, und der Asphalt verliert sich in grobem Geröll. Auch der hat schnell ein Ende, und der Weg wird zum Pfad. Entlang des Kamms gibt es tolle Blicke, aber auch die ein oder andere Stelle, bei der ich das Rad bergauf schieben muss. Traktion und der für mich ungewohnt schmale Lenker vereiteln das Fahren. Auf die Kräfte, die vielleicht auch nicht reichen würden, gehen wir mal nicht im Detail ein.

Auf fast 600 Meter Höhe hatte ich eigentlich geplant, in einer Schleife nach Westen abzubiegen, ein großer Zaun und selbst für mich als nicht spanisch Kundigen unmissverständliche Schilder zeigen: Privat-Besitz. Laut Karte gibt es einen Kilometer weiter nochmal einen Weg, der Richtung Westen abzweigt, dazwischen geht es aber nochmal über einen Hügel, der deutlich zu steil zum Fahren ist. In einer kleinen Senke geht es wirklich links ab. Wann der Weg allerdings das letzte Mal genutzt wurde, ist unklar, es sieht eher nach einer Feuerschneise aus, die in Falllinie den Hang runter verläuft. Deutlich über 30% Gefälle, kindskopfgroße Steine und eine kaum erkennbare Fahrspur, mit dem MTB kein großes Hindernis, aber mit dem Gravelbike ein zu großes Risiko. Für mich zumindest. So wird umdisponiert, und ein Schlenker Richtung Osten eingebaut. Am Mirador Francisco Vazquez Sell treffe ich auf eine Straße, und nach einem Abstecher auf den 1032m hohen Reina treffe ich noch ganz unverhofft auf eine besondere Straßenanlage: Vor Boticario macht die Straße 2 360° Schleifen, bei denen ich jeweils zuerst eine Brücke überquere, und danach drunter durch fahre.

Bei der obligatorischen Pause am Ortseingang von Malaga habe ich dann Zeit, die Tour Revue passieren zu lassen. Für mich ganz eindeutig, wenn man auf unbekanntes Terrain vorstößt, noch kein Gefühl für die Qualität der Wege und der Kartographierung hat, kann das Gravelbike an seine Grenzen stoßen. Wenn es (ungeplant) fahrtechnisch anspruchsvoll wird, ist das MTB das universellere Rad. Eigentlich nicht überraschend. So komme ich heute auch nur auf gut 40km, allerdings mit über 1100 meist sehr anspruchsvollen Höhenmetern. Die machen sich auch durch schleifende Bremsen bemerkbar, ich versuche im Appartment die Bremsen zu säubern und neu einzustellen, das gelingt ohne Iso und Bremsflüssigkeit nur bedingt gut und wird mich auch morgen noch begleiten.

25. September, Mijas

Der Plan für heute: Richtung Westen am Strand entlang bis Torremolinos und versuchen, ob ich um das Massiv des Monte Calamorro herum komme. Alhaurin läge dann wieder auf der Strecke.

Die Strecke bis ins Delta des Rio Guadalhorce kenne ich schon, dann geht es noch bis Torremolinos am Strand entlang, und dann durch den mehr oder weniger dichten Straßenverkehr aufwärts, bis ich Stadt, Hotels und Golfplätze hinter mir lasse. In Mijas, einem der kleinen weißen Dörfer, gönne ich mir eine Pause und lasse mich durch die engen Gassen treiben. Nach Blick auf Karte und Uhr entscheide ich mich für die Abfahrt Richtung Mittelmeer, statt ins Hinterland. Über kleine Nebenstrecken geht es steil abwärts, schnell verliere ich Höhe. Am Strand entlang geht es wieder Richtung Malaga, bis es mich bei Carvajal auf die Hauptstraße führt, ich komme zwar zügig voran und der Verkehr hält sich in Grenzen, im Hinterland hätte ich mehr Ruhe gehabt. Bei Torremolinos treffe ich wieder auf den Hinweg, und bin nach 72km und 720HM wieder im Appartment, besorge schnell noch ein kleines Fläschchen Bremsflüssigkeit und mache mich nochmal (mit mehr Erfolg) an die Bremsen.

26. September, Valdes

Der Plan für heute: Richtung Osten an der Küste entlang, und dann ins Hinterland nach Valdes. Auch hier habe ich wieder eine Querung des Kammes zwischen zwei Arroyos vor, und nach den Erfahrungen der ersten Touren bin ich gespannt ob das klappt.

Bis Rincon de la Victoria folge ich der Küstenstraße, die teils durch kleine Vororte führt, teils am Strand entlang, und auf der stillgelegten Trasse der Küstenbahn. In Benagalbon geht es aufwärts, die Straße ist gut in Schuss und wenig befahren. Unterhalb des Cerro Mingo biege ich scharf nach links ab, genieße den Blick zurück zur Küste und dann geht es durch Olivenhaine steil abwärts. Wieder auf MTB-Territorium , der Weg ist neu gemacht und noch nicht richtig verdichtet. Als der Weg dann nach gut 100 steilen Höhenmetern von der geplanten Route nach links abweicht und in den Oliven endet, ist guter Rat teuer. Ein paar Meter zurück finde ich auch die Stelle, wo mein Weg weitergehen sollte. Der ist allerdings durch ein Tor abgesperrt, und auf der anderen Seite kaum mehr erkennbar. 50m weiter ist dann aber der Fahrweg zu sehen, der nach Valdes führt. Kurz entschlossen hebe ich mein Rad über das Tor, klettere hinterher und stehe nach ein paar Minuten durch dichtes Gebüsch auf dem Fahrweg. Ein paar Minuten später bin ich in Valdes, genug Aufregung. Die Abfahrt auf der Straße ist wieder landschaftlich sehr schön, und es kommen auch keine neuen Überraschungen. Meine obligatorische Pause in einer kleinen Bodega wartet noch, und nach gut 50km und über 700HM bin ich wieder im Appartment.

Meine 5 Cent zum Thema Graveln

5 Tage, mit dem für mich ganz ungewohnten Gravel-Bike. 5 Touren mit sehr unterschiedlichem Charakter, von fast reinen Touren auf Asphalt, bis zu Strecken mit hohem fahrtechnischen Anspruch im Gelände.

Es hat viel Spaß gemacht, aber ich kann nicht sagen, dass mich das Konzept Gravel-Rad so restlos überzeugt hat. Für schnelle Touren, die meist auf Asphalt und nur gelegentlich mal auf Schotterwege abbiegen, eine tolle Sache. Mit dem Rennlenker bin ich ergonomisch besser zurecht gekommen, als ich dachte. Nur wenn es fahrtechnisch wurde, und steil, kommt der Lenker an seine Grenzen. Die Bremsen sitzen dann einfach nicht da, wo man sie für volle Kontrolle bräuchte. Auf den Wegen hier in Andalusien, wo mich doch die ein oder andere Überraschung eingeholt hat, hätte mir ein gerader Lenker mehr Freiheiten und mehr Sicherheit beschert, zu Lasten der Geschwindigkeit. Da würde ich zum Entdecken unbekannter Gebiete doch das MTB vorziehen.

Aber die Frage ist, wofür will man das Rad einsetzen. Wenn man wie ich gerne Trails fährt, und dann zuhause routenabhängig zwischen MTB und Gravel (oder anderen Rädern) wählen kann, ist das Gravel eine schöne Ergänzung.

Mal sehen, wo die Entwicklung hingeht, das 32″ Laufrad steht beim MTB in den Startlöchern, und macht vielleicht auch am Gravel Sinn. Vielleicht dann mit geradem Lenker, langen Inner Barends und starrer Gabel? Bin gespannt.

Aber jetzt: Urlaub zu zweit!

Ich entstaube das Rad noch etwas, und dann steht Bikestardo für die Abholung vor der Tür. Wir diskutieren noch etwas über die korrekte Art der Rückstellung der Bremsen (da sind wir uns nicht ganz einig), und dann verladen wir das Rad. Waren 5 sehr tolle Tage mit dem Rad!

Eine Viertelstunde später steht Gina in der Tür, mit dem frischen Spanisch-Zertifikat im Rucksack. Jetzt geht der Urlaub zu zweit so richtig los, noch 2 Tage in Malaga, dann steht Ronda auf dem Plan. Danach haben wir noch nichts gebucht, wollen auf jeden Fall nach Sevilla. Dort starten wir mit einer geführten Sightseeing Tour per Bike, eine Tolle Art, einen ersten Eindruck einer Stadt zu bekommen.

Sevilla zieht uns mit den kleinen Gassen, Sehenswürdigkeiten und Lokalen in seinen Bann. Unser Appartment liegt etwas außerhalb der Altstadt, so sind wir viel mit dem städtischen Verleih-Rad, dem Sevici, unterwegs. Vollgummireifen und Kopfsteinpflaster sind zwar eine sehr schweißtreibende Kombination, aber schneller als zu Fuß sind wir allemal.

Nach dem Trubel der Stadt sehen wir uns wieder nach etwas mehr Ruhe, und weil es uns in Ronda so gut gefallen hat, buchen wir uns nochmal ein Hotel und erkunden die Gegend. Die berühmte Brücke von Ronda und der Klettersteig bei den alten Mühlen, der Ort Setenil unter den überhängenden Felsen und der Bahntrassenradweg Via Verde de la Sierra geben uns genügend Input und Bewegung

Als Gina einen Ausritt hoch zu Pferde plant, leihe ich mir nochmal für einen Tag ein Rad, diesmal ein MTB ;-). Auf der Runde über das Cuava del Gato über Grazalema zurück nach Ronda kämpfe ich wieder mit Schotterwegen, die nach und nach enger werden und dann fast verschwinden, die Erleichterung dass der Weg dann bald weitergeht währt nur kurz: Ich bin irgendwie von hinten auf ein privates Anwesen gekommen, 5 Meter vor mir die Straße, und dazwischen ein elektrisches Tor. Links und rechts davon zwei angekettete Wachhunde. Ich versuche mich irgendwie bemerkbar zu machen, es scheint aber niemand da zu sein, oder es ist gerade Siesta. So findet das Rad wiedereinmal seinen Weg über das Tor, und ich hinterher. Zum Glück haben die Ketten der Hunde eine Lücke in der Mitte gelassen. In Grazalema habe ich mir erstmal eine Pause verdient, und der Rückweg über die Embalse de Zahara verläuft ohne größere Überraschungen. Wenn man von der Straßensperrung auf meiner Nebenstrecke absieht, aber auch das war dann machbar. 75km und 1600HM stehen auf dem Tacho, als ich im Hotel ankomme. Und viele tolle Eindrücke.

Drei Wochen sind dann schnell um, und ich glaube, Andalusien wird uns nochmal wieder sehen.

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