Reservoir Loop Cargobikepacking – Manchmal ist der Wurm drin.

Biketour 2025, aber wohin?

Jedesmal die gleiche Frage, wohin geht es auf die jährliche Mehrtagestour. Einfach zu viele Optionen. Schon die grundsätzliche Frage, ob es mit dem MTB ins Gelände geht, oder wieder zum Bikepacken mit dem Lastenrad, könnte man ewig diskutieren. Doch dieses Jahr inspiriert mich zufällig ein Reddit-Beitrag zu einer Bikepacking Tour in der Eifel und dem belgischen Hohen Venn, und als dann noch ein Bericht in einer Zeitschrift die gleiche Region beschreibt, ist klar: Es geht 5 Tage mit dem Omnium ShorTi auf den Reservoir Loop. Samstags soll es nach der Arbeit noch mit dem Auto in die Eifel gehen, und dann abends die ersten Kilometer bis zum Nachlager. Die Route ist klar, die Etappen werden sich ergeben.

Erwartung und Realität, Euphorie und Abbruch.

Reservoir Loop. Das klingt nach Sommer, gechillten Pausen am Wasser und Biwaks mit Seeblick. Wenn man die Streckenbeschreibung liest, aber auch nach, toller Landschaft und abwechslungsreichen Gravel-Strecken. Und ordentlich Höhenmetern.

Sommer und tolle Landschaft bekomme ich auch,  hier werden  Strecke und Temperaturen in den 30ern allen Erwartungen gerecht. Was die Recherche nicht verrät: Die Strecke sucht ganz bewusst die Einsamkeit. Orte, Sehenswürdigkeiten und auch die Reservoirs werden eher gemieden, und die Höhenmeter addieren sich schneller, als mir lieb ist. Das ein oder andere Mal auch als Abzweig aus dem Tal auf anstrengenden Wegen dürftiger Qualität, nur um wenige 100m weiter wieder im Tal zu landen, mit ein paar Kilometern mehr in den Beinen.

Auch die Suche nach Verpflegung gestaltet sich nicht so einfach. Eifel und hohes Venn sind eher dünn besiedelt, was mir eigentlich entgegenkommt. Aber wenn man nicht auf die Jagd gehen will oder Beeren sammelt, wäre hin und wieder eine Einkaufsmöglichkeit nicht schlecht.

Mein Fazit am zweiten Fahrtag: Für ein Selfsupported Gravel-Rennen eine ziemlich tolle Strecke, um sich ordentlich zu schinden. Nach langen Wochen im Job, die mich psychisch ziemlich ausgelaugt  und herausgefordert haben, hatte ich mir eine zwar anstrengende, aber etwas weniger herausfordernde Strecke vorgestellt. Vielleicht hat auch die als Rundkurs angelegte Strecke ihren Teil dazu beigetragen, 5 Tage schinden und man kommt doch am gleichen Punkt wieder raus, das klingt zu sehr nach Stillstand und Energieverschwendung.

So werde ich nicht so richtig warm mit der Strecke, und weil der Kopf kann auch nicht vom Alltag abschalten kann, motiviere ich mich von einem Zwischenziel zum nächsten. Der leckere Bäcker an Tag 2 zum Frühstück nach anderthalb Stunden Fahrt, das Stadtfest in Stavelat, das legendäre Radfahrer Café Le Coffee Ride. Und als Tagesabschluss ein Zeltplatz an der Rennstrecke von Spa-Francorchamps. Als einziger Radfahrer unter lauter Motorsport-Verrückten.

Das setzt sich auch an Tag 3 so fort, trotz der Hitze immer wieder Schlammlöcher (in einem von ihnen landet man dann, wenn man nicht so richtig mit dem Kopf dabei ist), dann mit Gras überwucherte und kaum erkennbare Wege, als Highlight ein schmaler Weg mit Unmengen an freigelegten Wurzeln, die schon das Laufen ohne Rad schwierig machen So trage ich Rad und Gepäck separat, um die paar Hundert Meter zu überbrücken.

Zwei vorab geplante Telefon-Calls reißen mich aus dem „Urlaubs“-Modus wieder zurück in den Alltag, und alles in mir sehnt sich nach Ruhe und Entspannung. Das ist auf der Strecke aber wohl nicht zu erwarten, und so freunde ich mich immer mehr mit dem Gedanken an einen Abbruch an.

Bis ich dann einen sinnvollen Ausstieg aus der Strecke finde, der mich wieder in Richtung Start bringt, vergeht noch ein bisschen, doch der fast ebene Vennbahn-Radweg führt dann ohne größere Steigungen Richtung Süden, am späten Nachmittag bin ich wieder am Auto und starte nachdenklich auf die Fahrt nach Hause.

Aufgeben. Nichts, was so meinem eigenen Anspruch genügt. Aber trotz allem Anspruch und Suche nach etwas Abenteuer, sollen die Touren auch ein Abschalten vom Alltag sein. Aber wenn Kopf und Beine  nicht miteinander arbeiten, ist das nicht möglich. Daher hadere ich zwar noch etwas mit dem Abbruch (in der Rückschau verklärt sich ja vieles), bin aber letztlich froh über die Entscheidung und meine Grenzen respektiert zu haben.

Tagebuch

Samstag, 28. Juni 2025

Einigermassen pünktlich aus der Firma, das Fahrrad ist schon auf dem Dach. Richtung Norden in die Eifel, unterwegs Abendessen in einer Burgerbraterei.

Ankunft am Parkplatz in Watzerath, umziehen, und aufs Rad. 20:45 geht es  los, erstmal gemütlich an der Prüm entlang, dann steil Straße. Erste Umwege aus und ins Tal des Alfbaches.

Nach 10km Lager am Sportplatz bei Habscheid.

Sonntag, 29. Juni 2025

5:30 raus, alles ist nass vom Tau. Sonne kommt langsam durch den Dunst. Packen, 6:25 los.

Nach 50m purer Luxus: Die Toilette am Sportplatz ist nagelneu und offen. Wolken ziehen auf, es geht durch Felder, an Windkraftanlagen vorbei. Auf und ab, wechselnder Untergrund inkl. Wasser.

Und wieder kräftezehrende Umwege🙃, Erholung auf der Vennbahntrasse. Erst um 8: 00 Frühstück beim Bäcker in Burg Rauland.

Sonne kommt raus, Strecke umgeht fast alle Orte. Untergrund wechselt, viel Natur. Trotz Hitzeperiode viele Pfützen auf den Wegen, anspruchsvolle Wege, Wiesen, zugewachsene Pfade.

Gedanken sind in Firma, Entspannung kommt nicht auf. Eine lange Pause in Stavelat beim Stadtfest kommt gerade recht.

Danach wieder steil aufwärts und an Drachenflughang auf Trail abwärts, Pause im legendären le Coffee Ride, Treffpunkt der Rad-Szene.

Weiter auf Asphalt, Schotter und zerfahrene Waldwege. Wieder Pfützen, vor Spa lande ich dann auch mal drin.

Nach knapp 100km und 1800hm reicht es mir. Lager auf dem sich langsam leerenden Zeltplatz vom 24h Rennen. Lecker Pasta zum Abendessen, Bremsbeläge wechseln, und dann noch ein Spaziergang durch das Örtchen Spa-Francorchamps, das seine besten Tage schon lange hinter sich hat.

Montag, 30. Juni 2025

Nacht etwas unruhig, Generator lief durch. 6:15 auf dem Rad. Sonne. Aufwärts auf Straße und Asphalt. Hinter Ferme Libert schmaler Weg, Wurzeln, unfahrbar. Trage Rad und Gepäck einzeln. Und alles ohne Frühstück.

In Xhoffraix hoffe ich auf Bäcker, der existiert nicht mehr, also trocken Brot. Abfahrt zur Warche an der Benoit Servais, überlege abzubrechen. Ab hier keine sinnvolle Strecke, muss erstmal weiter.

Bei Longfaye zwei geplante Telefonate, nichts für die Stimmung, Motivation sinkt weiter. Entscheidung: Abbruch.

Biege ab Richtung Osten, treffe bei Noirthier auf die Vennbahn. In praller Hitze geht es Südwärts.

Nach 30km noch eine Pause in Sankt Vith, und noch weitere 30 zum Auto.

Nachdenklich geht es auf die Heimfahrt. Nach gut zwei Tagen bin ich wieder daheim, geplant waren 5. Die nächsten Tage heißt es dann zu Hause: Abschalten.