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Reservoir Loop Cargobikepacking – Manchmal ist der Wurm drin.

Biketour 2025, aber wohin?

Jedesmal die gleiche Frage, wohin geht es auf die jährliche Mehrtagestour. Einfach zu viele Optionen. Schon die grundsätzliche Frage, ob es mit dem MTB ins Gelände geht, oder wieder zum Bikepacken mit dem Lastenrad, könnte man ewig diskutieren. Doch dieses Jahr inspiriert mich zufällig ein Reddit-Beitrag zu einer Bikepacking Tour in der Eifel und dem belgischen Hohen Venn, und als dann noch ein Bericht in einer Zeitschrift die gleiche Region beschreibt, ist klar: Es geht 5 Tage mit dem Omnium ShorTi auf den Reservoir Loop. Samstags soll es nach der Arbeit noch mit dem Auto in die Eifel gehen, und dann abends die ersten Kilometer bis zum Nachlager. Die Route ist klar, die Etappen werden sich ergeben.

Erwartung und Realität, Euphorie und Abbruch.

Reservoir Loop. Das klingt nach Sommer, gechillten Pausen am Wasser und Biwaks mit Seeblick. Wenn man die Streckenbeschreibung liest, aber auch nach, toller Landschaft und abwechslungsreichen Gravel-Strecken. Und ordentlich Höhenmetern.

Sommer und tolle Landschaft bekomme ich auch,  hier werden  Strecke und Temperaturen in den 30ern allen Erwartungen gerecht. Was die Recherche nicht verrät: Die Strecke sucht ganz bewusst die Einsamkeit. Orte, Sehenswürdigkeiten und auch die Reservoirs werden eher gemieden, und die Höhenmeter addieren sich schneller, als mir lieb ist. Das ein oder andere Mal auch als Abzweig aus dem Tal auf anstrengenden Wegen dürftiger Qualität, nur um wenige 100m weiter wieder im Tal zu landen, mit ein paar Kilometern mehr in den Beinen.

Auch die Suche nach Verpflegung gestaltet sich nicht so einfach. Eifel und hohes Venn sind eher dünn besiedelt, was mir eigentlich entgegenkommt. Aber wenn man nicht auf die Jagd gehen will oder Beeren sammelt, wäre hin und wieder eine Einkaufsmöglichkeit nicht schlecht.

Mein Fazit am zweiten Fahrtag: Für ein Selfsupported Gravel-Rennen eine ziemlich tolle Strecke, um sich ordentlich zu schinden. Nach langen Wochen im Job, die mich psychisch ziemlich ausgelaugt  und herausgefordert haben, hatte ich mir eine zwar anstrengende, aber etwas weniger herausfordernde Strecke vorgestellt. Vielleicht hat auch die als Rundkurs angelegte Strecke ihren Teil dazu beigetragen, 5 Tage schinden und man kommt doch am gleichen Punkt wieder raus, das klingt zu sehr nach Stillstand und Energieverschwendung.

So werde ich nicht so richtig warm mit der Strecke, und weil der Kopf kann auch nicht vom Alltag abschalten kann, motiviere ich mich von einem Zwischenziel zum nächsten. Der leckere Bäcker an Tag 2 zum Frühstück nach anderthalb Stunden Fahrt, das Stadtfest in Stavelat, das legendäre Radfahrer Café Le Coffee Ride. Und als Tagesabschluss ein Zeltplatz an der Rennstrecke von Spa-Francorchamps. Als einziger Radfahrer unter lauter Motorsport-Verrückten.

Das setzt sich auch an Tag 3 so fort, trotz der Hitze immer wieder Schlammlöcher (in einem von ihnen landet man dann, wenn man nicht so richtig mit dem Kopf dabei ist), dann mit Gras überwucherte und kaum erkennbare Wege, als Highlight ein schmaler Weg mit Unmengen an freigelegten Wurzeln, die schon das Laufen ohne Rad schwierig machen So trage ich Rad und Gepäck separat, um die paar Hundert Meter zu überbrücken.

Zwei vorab geplante Telefon-Calls reißen mich aus dem „Urlaubs“-Modus wieder zurück in den Alltag, und alles in mir sehnt sich nach Ruhe und Entspannung. Das ist auf der Strecke aber wohl nicht zu erwarten, und so freunde ich mich immer mehr mit dem Gedanken an einen Abbruch an.

Bis ich dann einen sinnvollen Ausstieg aus der Strecke finde, der mich wieder in Richtung Start bringt, vergeht noch ein bisschen, doch der fast ebene Vennbahn-Radweg führt dann ohne größere Steigungen Richtung Süden, am späten Nachmittag bin ich wieder am Auto und starte nachdenklich auf die Fahrt nach Hause.

Aufgeben. Nichts, was so meinem eigenen Anspruch genügt. Aber trotz allem Anspruch und Suche nach etwas Abenteuer, sollen die Touren auch ein Abschalten vom Alltag sein. Aber wenn Kopf und Beine  nicht miteinander arbeiten, ist das nicht möglich. Daher hadere ich zwar noch etwas mit dem Abbruch (in der Rückschau verklärt sich ja vieles), bin aber letztlich froh über die Entscheidung und meine Grenzen respektiert zu haben.

Tagebuch

Samstag, 28. Juni 2025

Einigermassen pünktlich aus der Firma, das Fahrrad ist schon auf dem Dach. Richtung Norden in die Eifel, unterwegs Abendessen in einer Burgerbraterei.

Ankunft am Parkplatz in Watzerath, umziehen, und aufs Rad. 20:45 geht es  los, erstmal gemütlich an der Prüm entlang, dann steil Straße. Erste Umwege aus und ins Tal des Alfbaches.

Nach 10km Lager am Sportplatz bei Habscheid.

Sonntag, 29. Juni 2025

5:30 raus, alles ist nass vom Tau. Sonne kommt langsam durch den Dunst. Packen, 6:25 los.

Nach 50m purer Luxus: Die Toilette am Sportplatz ist nagelneu und offen. Wolken ziehen auf, es geht durch Felder, an Windkraftanlagen vorbei. Auf und ab, wechselnder Untergrund inkl. Wasser.

Und wieder kräftezehrende Umwege🙃, Erholung auf der Vennbahntrasse. Erst um 8: 00 Frühstück beim Bäcker in Burg Rauland.

Sonne kommt raus, Strecke umgeht fast alle Orte. Untergrund wechselt, viel Natur. Trotz Hitzeperiode viele Pfützen auf den Wegen, anspruchsvolle Wege, Wiesen, zugewachsene Pfade.

Gedanken sind in Firma, Entspannung kommt nicht auf. Eine lange Pause in Stavelat beim Stadtfest kommt gerade recht.

Danach wieder steil aufwärts und an Drachenflughang auf Trail abwärts, Pause im legendären le Coffee Ride, Treffpunkt der Rad-Szene.

Weiter auf Asphalt, Schotter und zerfahrene Waldwege. Wieder Pfützen, vor Spa lande ich dann auch mal drin.

Nach knapp 100km und 1800hm reicht es mir. Lager auf dem sich langsam leerenden Zeltplatz vom 24h Rennen. Lecker Pasta zum Abendessen, Bremsbeläge wechseln, und dann noch ein Spaziergang durch das Örtchen Spa-Francorchamps, das seine besten Tage schon lange hinter sich hat.

Montag, 30. Juni 2025

Nacht etwas unruhig, Generator lief durch. 6:15 auf dem Rad. Sonne. Aufwärts auf Straße und Asphalt. Hinter Ferme Libert schmaler Weg, Wurzeln, unfahrbar. Trage Rad und Gepäck einzeln. Und alles ohne Frühstück.

In Xhoffraix hoffe ich auf Bäcker, der existiert nicht mehr, also trocken Brot. Abfahrt zur Warche an der Benoit Servais, überlege abzubrechen. Ab hier keine sinnvolle Strecke, muss erstmal weiter.

Bei Longfaye zwei geplante Telefonate, nichts für die Stimmung, Motivation sinkt weiter. Entscheidung: Abbruch.

Biege ab Richtung Osten, treffe bei Noirthier auf die Vennbahn. In praller Hitze geht es Südwärts.

Nach 30km noch eine Pause in Sankt Vith, und noch weitere 30 zum Auto.

Nachdenklich geht es auf die Heimfahrt. Nach gut zwei Tagen bin ich wieder daheim, geplant waren 5. Die nächsten Tage heißt es dann zu Hause: Abschalten.

Herbsttour in den Schwarzwald – Enz und Nagold

Wer Sonnen-Garantie will, plant im Oktober keine Radtour im Schwarzwald, Wetter-Überraschungen gehören da zum Programm. Auch landschaftlich  super abwechslungsreich war die 3-Tagestour in den Schwarzwald gemeinsam mit meinem Onkel Uwe. Und für mich an vielen Stellen ein Deja Vu mit Orten, an denen ich schon die ein oder andere Tour zu Fuß oder auf dem Rad gemacht habe.

Montag, 21.10.2024

Ruhiges Herbstwetter. Enztal und Schwarzwaldhöhen

Der Blick auf die Wetter-Vorhersage die Tage vorher hilft nicht beim Packen, täglich wechselt die Prognose. Also müssen Klamotten für jedes Wetter mit. Aber mit herbstlich milden Temperaturen am ersten Tag geht es gut los. Vom Pforzheimer Bahnhof sind es nur ein paar Minuten bis runter an die Enz, und der Enzradweg leitet uns erstmal mitten durch die Außengastro eines Cafés direkt am Fluß. Dann  begleiten uns noch eine Weile Wohngebiete und Industrie am Stadtrand, doch bald hat das ein Ende, mal im Wald, dann wieder kurze Stücke entlang der Straße , durch kleine Orte und an der Trasse der Enztalbahn geht es langsam entlang  des Flusses aufwärts bis Bad Wildbad.

Nach einem kleinen Schlenker durch den Kurpark und an den pompösen Bädern vorbei  (ein Besuch des Palais Thermal ist mit seiner Maurischen Architektur lohnenswert und der Sauna- und Badebereich eine Erholung für müde Radfahrende, aber dafür haben wir noch nicht genug geschafft heute) suchen wir uns einen Bäcker und sitzen bald im T-Shirt in der Sonne. Auch hier ist die Außengastro wieder spannend, sind es nicht die Radfahrer die hier zwischen den Tischen durchgeleitet werden, sondern die Enztalbahn, die in Griffweite an uns vorbei fährt. Wer hier seinen Kaffee trinkt tut gut daran, die Beine unter dem Tisch zu lassen.

Die Sommerbergbahn bringt uns schnell und ohne Anstrengung auf die Schwarzwaldhöhen, nach einem Blick hinunter auf Bad Wildbad tauchen wir ein in den Schwarzwald. Anfangs sind wir noch unter den Ausflüglern, die den Baumwipfelpfad und Kinderspielplatz erkunden, bald sind wir aber allein. Am Moor in Kaltenbronn schieben wir die Räder über den (als Radweg beschilderten) Holzbohlenpfad bis zum Wildsee und genießen bei blauem Himmel die Ruhe mit Blick auf den kleinen See.

Am Wildsee
Auf dem Holzweg 🙂

Ganz so dunkel, wie man dem Schwarzwald nachsagt, war er bisher nicht. Stürme und Abholzungen haben den Wald etwas verjüngt, und zwischen den dunklen Nadelbäumen gibt es doch viel Licht und auch den ein oder anderen Laubbaum. Nach einer Pause am Hohlohturm fährt uns der Schreck in die Glieder: Beim Blick aufs Navi zieht es Uwes Rad in Richtung Straßengraben, sein Schwerpunkt hat andere Pläne. Außer geprellten Rippen und einem Riesen Schreck zum Glück keine größeren Schäden, so sind wir froh, bald unser Etappenziel in Besenfeld, direkt um die Ecke der Nagoldquelle, zu erreichen. Für den Badeteich ist es uns zu kalt, und statt der Blockhaus-Sauna gibt es erstmal eine verspätete Mittagspause auf den Schreck. Nach einem leckeren Abendessen, einer ruhigen Nacht und dem gemütlichen Frühstück sieht die Welt schon anders aus.

Dienstag, 22.10.2024

Regen und trüb. Dunkles Tal, 20km Straße und Nagold-Schleifen

Leider auch grau, es regnet. Mit Blick auf die Wetter-App starten wir erst nach einem verlängerten Frühstück und einer zweiten Tasse Kaffee, ziehen aber nach ein paar Metern direkt schon die Regenklamotten an. In das enge Tal der jungen Nagold fällt sowieso schon wenig Licht, und bei dem Regenwetter ist es noch dunkler. Am Stausee weitet sich das Tal und die nächsten 20km verläuft der Radweg direkt auf der Straße. Nachdem sich das Wetter nicht an das Regen-Radar hält, bei Dauerregen, so halten sich die Besichtigungspausen in Grenzen.Zum Glück sind die Temperaturenbei erträglich, und auf den vielen Nagold-Schleifen bis zur Mittagspause in Nagold trocknen sogar die Regenklamotten einigermaßen ab. Der Nachmittag bleibt trocken, aber trüb, und so gibt es den ein oder anderen Sightseeing-Abstecher.

Kloster Reuthin in Wildberg

Am Ziel in der Hesse-Stadt Calw genießen wir das trockene Wetter und einen kurzen Stadt-Spaziergang vor dem (leckeren) Abendessen.

Hermann Hesse, und Uwe.

Mittwoch, 23.10.2024

Nebel und Sonne. Mystische Ruinen, ruhige Flusslandschaften, Weinberge und Streuobstwiesen

Am Morgen: Nebel. Und kalt. Frühstück gibt es beim Bäcker um die Ecke, als wir dann um 9:00 starten, hat die Sonne noch keine Chance. Aber die Stimmung ist mystisch, als wir in den Ruinen des Klosters Hirsau stehen.

Kloster Hirsau
Kloster Hirsau

Auch auf dem Nagoldradweg bilden Nebel und Herbstlaub eine tolle Kulisse. Mit Rücksicht auf die Nachwirkungen des Sturzes vom ersten Tag und die vielen Höhenmeter auf der geplanten Strecke über Weil der Stadt direkt nach Stuttgart, ändern wir spontan unsere Route und bleiben bis Pforzheim im Nagoldtal, und dann weiter Enzabwärts.

Bei Unterreichenbach
Vorsichtige Sonnenstrahlen

Nach und nach lichtet sich der Nebel und die Sonne setzt sich durch, bis wir dann in Pforzheim von der Nagold an die Enz wechseln und erstmal einen Kaffee in der Sonne trinken. Das Enztal ist weit und wir freuen uns über die vielen Sonnenstrahlen. Kleine Ortschaften, Felder, Weinberge und Streuobstwiesen wechseln sich ab, bis wir unser Ziel in Vaihingen Enz erreichen.

Bei Mühlhausen
Fallobst als Stärkung

Kurze Wartezeit an der Bahn, und bald sind wir in Stuttgart. Nachdem wir bisher noch kein Mittagessen hatten,  steuern wir erstmal eine Pizzeria an, und dann geht es zwar noch sonnig, aber schon deutlich kühler, auf die letzten Höhenmeter nach Hause.

Rückblick

Es ist immer wieder faszinierend, wie viel man mit dem Rad in so kurzer Zeit erleben kann. So unterschiedliche Landschaften, Wetter, Stimmungen, Menschen, das funktioniert nur per Rad. Lieben Danke Uwe, dass wir das gemeinsam erleben können!

 

9.999km Cargobike

Dreieinhalb Jahre, und der Tacho springt von der 9.999 auf die 10.000 Kilometer. Egal ob Sonne, Regen oder Schnee, Asphalt oder Schotter, unbeladen oder am Zuladungslimit, das Omnium hat einiges mitgemacht. Die dritte Kette, diverse Bremsbeläge, ein paar Speichen am Hinterrad und ein neues Vorderrad, so die Reparatur-Bilanz. Nicht schlecht für die harten Kilometer. Aber eine Generalüberholung ist jetzt fällig, die Bremsen haben einen Belagsdefekt mit massiver Überhitzung quittiert, die immer noch erste Kassette verträgt sich mit der Kette nicht mehr, der Schaltzug läuft schwer und auch der Lack zeigt die ein oder andere Gebrauchsspur.

Also wird einmal komplett zerlegt, geputzt, lackiert, erneuert, und aufgerüstet. Mit XT-4-Kolbenbremsen und 200er Trickstuff HD Scheiben steigt auch die Bremsleistung, die Schaltung läuft mit neuen Zügen wieder richtig gut, und die neuen Laufräder mit DT Swiss Naben (eingespeicht von Whizz Wheels) sollten für die nächsten 10.000 problemlos laufen. Die alten Laufräder bekommen für den Winter Spikes, und so bin ich wieder gerüstet. Das geniale Rücklicht von Supernova wird durch die Version mit Bremslicht ersetzt, sicher ist sicher.

Als optisches Highlight ersetzt ein schwarzes Billboard mit goldener Schrift das bisherige aus Holz. Edel 🙂

Rennsteig Cargobikepacking

Der Rennsteig, prämierter Weitwanderweg durch den Thüringer Wald, ist nicht nur unter Wanderern beliebt, sondern übt auch auf Mountain- und Gravelbiker eine große Faszination aus. Seitdem meine Tochter in der Nähe von Eisenach wohnt, steht er auch bei mir auf der Bucket List. Als sich im Anschluss an einen Wochenend-Besuch bei Ihr ein Zeitfenster von 10 Tagen auftut, steht der Plan: Per Rad über den Rennsteig, und dann irgendwie weiter nach Stuttgart. Mit Frankenweg, Teilen der Rockstar Bikepacking Franconia, und einer automatisch von Brouter als Trekkingrad-Route geplanten Strecke ergibt sich eine 700km lange Route durch die 3 Bundesländer Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg.

Impressionen

Die 3 Streckencharakter

3-geteilt ist auch die Strecke: Die Wanderwege Rennsteig und Frankenweg verlangen eigentlich nach Federung und groben Stollenreifen, die Bikepacking Franconia nach einem Gravelbike, und ab Nürnberg wäre ein Rennrad nicht verkehrt. Mein Kompromiss: mein Omnium ShorTi Lastenrad. Ob das funktioniert?

Teil 1: Wild

Der Original Rennsteig Wanderweg startet zwar entspannt mit einem langen Anstieg auf Schotter, entpuppt sich allen Recherchen zum Trotz aber im weiteren Verlauf als fahrtechnisch ganz schön heftig.  Zumindest, wenn man mit einem Lastenrad und Outdoor-Equipment unterwegs ist. Kilometerlange Pfade gespickt mit Fichten-Wurzeln, dann wieder schmale Hohlwege die eher an ein steiniges Bachbett erinnern. Nicht alles ist mit dem Lastenrad für mich fahrend machbar, auch wenn der lange Radstand und die Lenkübersetzung auf den groben Anstiegen für einen erstaunlich guten Geradeauslauf und gute Steigfähigkeit sorgen. Der Rennsteig-Radweg würde die heftigsten Stellen zwar umfahren, umgeht aber auch einige Gipfel und so ziehe ich die Wander-Route durch, manchmal schiebend, fluchend und wider besseres Wissen. Aber irgendwann dominiert der Ehrgeiz, das „Original“ bis zum Ende des Rennsteigs zu fahren (zugegeben, bis auf ein paar wenige Tragepassagen, für die ich eine Umfahrung finde). Und so sitze ich dann am dritten Tag zum Mittagessen im Rennsteighaus in Blankenstein, und lasse stolz die letzten zweieinhalb Tage und 170km Rennsteig Revue passieren.
Die nächsten 50km auf dem Frankenweg sind eine Unbekannte, für die kurze „Transfer-Etappe“  hatte ich nicht groß recherchiert. Sie entpuppen sich aber ähnlich anspruchsvoll wie der Rennsteig, und ähneln sich auch vom Untergrund und der Wegebeschaffenheit. Hier kommt als zusätzliche Herausforderung hinzu, dass dem Frankenweg der „Muss ich machen“ Faktor fehlt und viel weniger Leute unterwegs sind. Daher ist der Zustand der Wege noch etwas „ursprünglicher“, der Schwabe in mir würde sagen „ungepflegt“, was dem Flow nicht gerade gut tut. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit  im mittleren einstelligen Bereich ist Hinweis genug auf den Anspruch der Strecke. So fiebere ich Reichenbach entgegen, wo ich auf die Route des Rockstar Bikepacking Franconia wechsle.

Teil2: Zügig

Auf der Route des Selbstversorger Gravel-Events erhoffe ich mir zügigeres Vorankommen abseits des Verkehrs, und weniger Schiebepassagen. Die 750km lange Route führt kreuz und quer durch Franken, eine der vielen Schleifen führt mich von Reichenbach über 210km grob Richtung Süden bis nach Nürnberg. Und die Hoffnung bestätigt sich, es geht zwar weiterhin ganz ordentlich bergauf und bergab, aber der Untergrund wird zahmer, viele Schotterstrecken und gelegentliche Asphalt-Passagen machen das Vorankommen einfacher, die Tagesetappen werden länger, das Durchschnittstempo steigt.  Hier fühlt sich auch das Omnium mehr zu Hause, als auf den verblockten Trails von Rennsteig und Frankenweg. Die 1×12 Übersetzung ist an den steilsten Anstiegen  mit dem beladenen Rad zwar manchmal grenzwertig, aber mal ein paar Meter Schieben ist auch nicht schlecht zum Entlasten des Sitzfleisches.

Teil3: Zahm

Die Strecke von Nürnberg nach Hause habe ich ja schon mehrfach  auf unterschiedlichen Routen gefahren, diesmal vertraue ich auf eine automatisch in Brouter geplante Route in der Trekkingrad-Variante. Asphaltierte Radwege, teils auf schönen Radwander-Routen abseits vom Verkehr, teils entlang von Straßen, sind jetzt dominierend. Gelegentliche Abschnitte auf Schotter bringen etwas Abwechslung, dramatische Steigungen bleiben aus. Die großen Radwanderwege Altmühl, Jagst und Kocher kreuze ich nur, bis es hinter Aalen dann auf den Remstal-Radweg geht. Nach der Übernachtung am Altmühlsee bin ich nach 90km schon mittags in Aalen, und weil es gerade so gut läuft, lege ich Kilometer um Kilometer zurück, irgendwann lohnt eine weitere Übernachtung dann auch nicht mehr. So komme ich nach 180 Tageskilometern abends schon in Stuttgart an. 7 Tage, 700km, und um viele Erlebnisse reicher.

Und die Bestätigung, dass das Omnium für solche Unternehmen nicht immer perfekt, aber extrem vielseitig ist.

Verpflegung auf dem Rennsteig

Womit ich nicht gerechnet habe: Die Herausforderung, Essen oder Wasservorräte zu bekommen. Der Rennsteig umgeht sehr konsequent jede Ansiedlung und sucht die einsamen Stellen im Thüringer Wald. Und die Infrastruktur am Wegesrand ist für einen Premium-Wanderweg unerwartet dürftig. Cafés, Wanderheime? Mangelware. Selbst Friedhöfe, sonst Garant für die Wasserversorgung, werden umfahren. Am ersten Tag  komme ich nach 35km an die Hohe Sonne und hoffe auf ein Stück Kuchen. Die muss ich aber begraben, Montags ist Ruhetag. Das bekomme ich erst nach 50km (und einem kleinen Umweg) im Waldhotel Rennsteighof. Eigentlich noch viel zu früh, aber nach weiteren 10km heizt der Imbiss auf dem großen Inselsberg für mich nochmal die Glut an, ich bekomme eine Thüringer Rostbratwurst und gekühlte Getränke. Die Wurst muss dann auch als Abendessen herhalten,  weil bis zur Übernachtung  an der Schutzhütte Wachsenrasen nach 75km gibt es nichts mehr.

Auch am nächsten Morgen ist schmale Kost angesagt. Ich spekuliere auf die Thüringer Hütte beim Wintersportzentrum Oberhof. Aber ich bin eine Stunde vor Öffnung schon da und fahre weiter, nächste Chance: Die Schmücke, aber auch hier bleibe ich hungrig, Essen gibt es erst eine Stunde später. Zumindest einen Kaffee bekomme ich, und eine Cola gibt Energie für die nächsten Kilometer.  13:00 wird es dann, bis ich in Neustadt, einem der wenigen Orte auf dem Rennsteig, ein Hotel finde. Und nach einem Kuchen ist die Welt wieder in Ordnung. Zumal ich im Supermarkt noch Getränke und ein paar Brötchen als Notration bekomme. Die brauche ich erstmal aber nicht,  abends gibt es in Neuhaus einen lecker Döner. Vollgefr… und mit etwas unrundem Tritt geht es dann noch weiter, bis ich um 19:00 eine tolle Übernachtung an der Laubeshütte finde.

Die Brötchen gibt es dann als Frühstück am dritten Tag, die Aussicht vom Frankenblick ersetzt den Aufstrich. Als ich dann nach gut 15km in Steinbach an einem Bäcker vorbei fahre, locken Kuchen und ein Kaffee zum zweiten Frühstück. Wer weiß, wann ich wieder was finde. Doch die Durststrecke scheint zu Ende als ich gegen Mittag schon in Blankenstein am Ende des Rennsteigs angekommen bin. Ich gönne mir im Rennsteighaus ein Mittagessen, und bin damit für die ersten Kilometer auf dem  Frankenweg erstmal versorgt. Und abends sitze ich wegen Gewitterwarnung in Schwarzenstein im Hotel am Tisch und lasse es mir schmecken.

Fazit:

Wer also wie ich nicht die kompletten Koch-Utensilien mitnehmen will, und auf lokale Angebote setzt, tut gut daran mit einem Vorrat an Riegeln oder anderen Energielieferanten längere Durststrecken zu überbrücken. Und eine gewisse Flexibilität hinsichtlich Zeitpunkt der Mahlzeit (Frühstück gegen Mittag), Ort (der ein oder andere Umweg gibt mehr Möglichkeiten) oder Qualität (Trockene Brötchen vom Vortag) hilft auch.

Foto-Tagebuch

2024-08-05, Montag

Gerstungen – Hörschel (Rennsteigbeginn) – Hohe Sonne – Wachsenrasen (Schutzhütte)
79,7km, 8h40 unterwegs, 6,87km/h Durchschnitt, 1840HM

2024-08-06, Dienstag

Wachsenrasen – Wintersportzentrum Oberhof – Schmücke – Frauenwald – Neustadt am Rennsteig – Masserberg – Neuhaus am Rennsteig – Laubeshütte (Schutzhütte)
71,1km, 7h55 unterwegs, 6,48km/h Durchschnitt, 1290HM

2024-08-07, Mittwoch

Laubeshütte – Spechtsbrunn – Steinbach am Wald – Brennersgrün – Schlegel bei Lobenstein – Blankenstein (Rennsteigende) – Marxgrün – Naila – Schwarzenbach – Schwarzenstein (Hotel)
76,3km, 6h30 unterwegs, 11,78km/h Durchschnitt, 1020HM

2024-08-08, Donnerstag

Schwarzenstein – Schwarzenbach – Reichenbach (Start Franconia DIY) – Premeusel – Stadtsteinach – Marktleugast – Marienweiher – Wirsberg – Neuenmarkt – Waldau – Igelsreuth (Wildcamp)
100km, 8h05 unterwegs, 12,34km/h Durchschnitt, 1640HM

2024-08-09, Freitag

Igelsreuth – Langenstadt – Thurnau – Schirradorf – Wonnsees – Schönfeld – Truppach – Neubürg – Nankendorf – Waischenfeld – Behringersmühle – Ebermannstadt – Hetzelsdorf (Wildcamp)
97,3km, 8h00 unterwegs, 12,18km/h Durchschnitt, 1590HM

2024-08-10, Samstag

Hetzelsdorf – Igensdorf – Neunhof – Nürnberg – Schwabach – Untereschenbach – Altmühlsee (Camping)
110,3km, 7h00 unterwegs, 15,4km/h Durchschnitt, 875HM

2024-08-11, Sonntag

Altmühlsee – Ehingen – Wilburgstetten – Mönchsroth – Pfahlheim – Röhlingen – Bucher Stausee – Aalen – Schwäbisch Gmünd – Schorndorf – Fellbach – Stuttgart (eigenes Bett)
176,8km, 9h40 unterwegs, 18,29km/h Durchschnitt, 1230HM

Kleine Fluchten

Urlaubsreif, aber keine Urlaubstage über? Probiert doch mal einen Overnighter, direkt von der Arbeit ins Wochenende starten. Es ist erstaunlich, wie erholsam eine knapp anderthalb-tägige Radtour sein kann, und wie schnell man Abstand vom Alltag bekommt.

So holt mich Gina am Samstag direkt von der Arbeit im Stuttgarter Osten ab, und wir folgen dem Neckar-Radweg entlang des Max-Eyth-Sees abwärts bis nach Remseck. Direkt am Zusammenfluss von Neckar und Rems gibt es eine späte Kaffeepause, und dann geht es weiter bis nach Marbach. Unser Hotel liegt oben auf der Schillerhöhe, und so ist der Weg für ein kurzes Sightseeing durch die Altstadt und zum leckeren Abendessen nicht weit.

Pause am Max-Eyth-See
Die Zugwiesen bei Poppenweiler

Der Sonntag beginnt mit einem leckeren Frühstück, und dann geht es noch ein paar Meter entspannt den Neckar abwärts. Entlang von Murr, Bottwar, und Söhlbach geht es an immer kleiner werdenden Gewässern langsam ansteigend bis Beilstein. Ein paar Kilometer über die Felder, und dann dürfen wir wieder abwärts rollen, kurz vor Ilsfeld treffen wir auf die Schozach und folgen ihr bis Talheim und dann an den Neckar.  Wir wenden uns südwärts Richtung Heimat, die Altstadt von Lauffen und Besigheim laden ein zum Bummeln (und Eis essen),  und über Freiberg geht es zur S-Bahn in Ludwigsburg und nach Hause.

Beilstein

Tauchsteinsee
Besigheim

Abends schlafen wir im eigenen Bett ein, und am Montag fühlen sich die anderthalb Tage nach einem richtig langen Urlaub an.

 

 

 

n+1: Das Omnium ShorTi ist da

Mein Omnium E-Cargo WiFi ist seit fast zwei Jahren tägliches Arbeitstier und aktuell auch das meiner Räder, das am meisten Kilometer abspult.

Es gibt aber besondere Momente und Aufgaben, für die ich mir ein unmotorisiertes Lastenrad wünsche. Also das typische n+1 Problem aller Radbegeisterten.

Das „kurze“ Omnium Mini-Max in der Titan-Version hat es mir schon eine Weile angetan, und als Ende des Jahres ein Kunde ein Omnium bestellt, denke ich nicht lange über die Konsequenzen (vor allem über Finanzen und Abstellplatz und die fast philosophische Frage nach den Komponenten ) nach und bestelle gleich mit.

Mit potenten Bremsen und Laufrädern (mit Nabendynamo und USB-Charger), moderaten Gravel-Reifen und 12-fach Antrieb sowie ergonomischem Cockpit mit langen Inner Barends wird auch der Einsatzzweck definiert: Lange Touren auf und abseits vom Asphalt.

Stay tuned!

lastenrad-tuning.com – Die Katze lässt das Mausen nicht, und der Ingenieur nicht das Konstruieren

„Nichts im Leben ist so perfekt, dass man es nicht noch ein bisschen perfekter machen könnte.“

So beginnt der Einstieg auf meine neue Seite www.lastenrad-tuning.com.

Optimierungen und Anpassungen finden sich so auch an allen meinen Rädern.  Aber seitdem ich Lastenrad fahre, und noch mehr seitdem ich bei LadeHero CargoBikes Kund:innen beim Kauf berate, bekomme ich täglich die unterschiedlichsten Wünsche und Anforderungen der zukünftigen Fahrer:innen mit. Für einiges gibt es Lösungen ab Werk zu kaufen, für anderes im Nachrüstmarkt. Und für den Rest wird der Ingenieur in mir aktiv.

Dafür habe ich nun die Webseite www.lastenrad-tuning.com gestartet, und dort die ersten dieser Ideen und Realisierungen als Inspiration und zum Nachbauen veröffentlicht. Mit der Zeit werden es noch mehr werden, immer mal wieder reinschauen lohnt sich bestimmt!

Freue mich über Wünsche, Feedback, Berichte von Anwendungen und weiterführende Optimierungen. Weil: Nichts ist so perfekt, dass es nicht noch besser geht 😊.

Viel Spaß!