Tagestouren im Odenwald

Nachdem ich im Juni die Cargobikepacking-Tour in Belgien abgebrochen habe, habe ich irgendwie noch Lust auf ein paar Tage per Rad. Als wir dann spontan noch einen Konzertbesuch in Heidelberg an eine Hochzeit im Fränkischen dranhängen, entschließe ich mich kurzfristig für einen Biketrip im Odenwald. Vier Tage Zeit habe ich, aber weder Zeit noch Lust für die Planung einer Mehrtagestour. So wird es was ganz Neues: Tagestouren von einem Campingplatz aus.  Der Odenwald mit seinem MTB-Wegenetz steht schon länger auf meiner ToDo List, das trifft sich gut. Die Zeit reicht noch, auf der Seite des Geo Naturparks Odenwald  ein paar potenzielle Strecken rauszusuchen, die Allmountain-Strecken mit hohem technischen Anspruch klingen nach meiner Kragenweite. Einen Campingplatz werde ich dann wohl finden.

Doch weit gefehlt, die Telefonate am Samstag sind wenig erfolgreich. Die Campingplätze am Rande des Odenwaldes nehmen nur Dauercamper, und so wird der Radius der Telefonate immer größer, bis ich endlich in Waldmichelbach, ziemlich tief drin im Odenwald, einen Platz finde, der auch Zelter für ein paar Tage aufnimmt.

Solo-Tagestouren, für mich auch ein erstes Mal. Mit wenig Balast hoffe ich auf technische Singletrails, da verspricht jedoch die Klassifizierung als All Mountain mehr, als sie halten kann. Angesichts der hohen Temperaturen und meiner Erfahrung mit der abgebrochenen Tour in Belgien passt es für mich, ich lasse es etwas gemütlicher angehen. Ich mache Pausen unterwegs, liege auch mal eine halbe Stunde auf einer der Aussichtsliegen, so sind die Touren zwar anstrengend und  intensiv, aber auch sehr entspannend. Weil ich bei Zelten auch morgens auch früh raus komme, umgehe ich die heißeste Tageszeit, und es bleibt danach noch Zeit für eine Pause mit einem guten Buch auf der Isomatte auf dem Campingplatz, bevor es abends zum Essen geht.

Alles in allem genau das, was ich gerade brauche. Entspannung vom Alltag, schöne Erlebnisse, körperliche Anstrengung, frische Luft. Abenteuer gibt es dann ein andermal.

Foto-Tagebuch

Sonntag, 10. August 2025

Nach dem Frühstück in Heidelberg räumen wir das Zimmer, und ich packe am Auto das Rad. Der Übernachtungs-Kram mit Zelt und Isomatte kommt an den Lenker, der Rest für vier Tage passt in den Rucksack.

Mit ein paar Umwegen am Neckar entlang zum Squadrate sammeln geht es bis nach Weinheim, und dann nach Osten mitten rein in den Odenwald, bis ich kurz vor Waldmichelbach auf dem Campingplatz ankomme. Mit 37km und fast 600HM schon nicht mehr ganz frisch, so nutze ich die Mittagspause des Betreibers auch für eine Pause.

Der Platz ist schnell ausgesucht, und dann geht es erstmal los aufs Bike. Das Zelt Aufstellen kann warten. Auf mich wartet erstmal der WA1, eine 30km Allmountain-Runde mit knapp 700HM Richtung Norden.

Nach der Beschreibung auf der Webseite „hoher technischer Anspruch“ hätte ich trotz der vorwiegend S1 Bewertung der Trails mehr Anspruch erwartet, ein großer Teil der Strecke verläuft auf Schotterwegen, die Trailanteile sind gering und kurz. Am interessantesten die Strecke nach dem Schardthof, wo ich mir eine Pause auf der Liege vor dem Ausflugs-Lokal gönne.

Landschaftlich ist die Strecke aber klasse, der Trommturm ist sowohl architektonisch als auch ausblicksmäßig das Highlight.  Schwindelfrei sollte man sein, der Turm hat offene Stufen, steht an einer Geländekante und neigt sich deutlich über diese in Richtung der Rheinebene, so dass man nach einigen Stufen senkrecht nach unten in den Wald schauen kann. 

Als ich wieder in Waldmichelbach ankomme, habe ich insgesamt fast 70km in den Beinen, und 1300HM, zum Teil mit ordentlich Gepäck auf dem Rücken. Für heute genug, schließlich wartet noch die Einrichtung des Nachtlagers. Deswegen gibt es einen leckeren Wrap auf die Hand, den in am Campingplatz esse. Danach Zelt aufstellen, und den Tag langsam ausklingen lassen. 

Montag, 11. August 2025

Start in die Woche, und erstmal Frühstück beim Bäcker. Dann geht es Richtung Steinbruch Mengelsbach, und dort auf den MB1. Mit fast 1300Hm und einer S2 Klassifizierung hoffe ich auf interessante Trails, ähnlich wie gestern sind die Wege aber eher zahm, ein paar Wurzeltrails sind mit guter Linienwahl und anderthalb Dezimeter Federweg kein Problem. So bleibt es entspannt, mit der ein oder anderen Pause unterwegs und einem großen Spaghetti-Eis in Waldmichelbach zum Abschluss genieße ich den Sommer, Landschaft und die Zeit auf dem Rad. Lesen (und ein Nickerchen auf der Isomatte) auf dem Campingplatz, die Dauercamper und ein Spaziergang durch die kleine Altstadt vertreiben mir die Zeit bis zum Abendessen.

Dienstag, 12. August 2025

Das überaus leckere Frühstück im Café in der Gass teile ich mir mit Dutzenden an Wespen, denen es so gut schmeckt wie mir. Ziel heute: Der R1 um Rimbach. Auch hier steht erstmal ein bisschen Anfahrt bis nach Gadern bevor, bevor ich auf die Strecke einbiege. Die eher zahmen Trails der vergangenen Tage setzen sich fort, so gönne ich mir die Zeit für einen Abstecher nach Mörlenbach, ein paar Lücken in den Squadraten füllen. Der Abstecher nach Norden Richtung Lörzenbach ist eher ungeplant, meine Bremsbeläge segnen das zeitliche und machen mit metallischem Kratzen auf sich aufmerksam. Im Döschen mit den Ersatzbelägen finde ich zwar die Magura und die XT-Beläge für die Lastenräder, die fürs Liteville habe ich wohl bei der letzten Tour (lange her) schon verbraucht. Aber Michels Bike Shop in Fahrenbach ist die Rettung und hat die passenden Beläge da. Das Abendprogramm ähnelt dem von gestern: Eis, Lesen und Pause auf dem Campingplatz, Abendessen, und mit den Dauercampern vor dem Bistro sitzen.

Mittwoch, 13. August 2025

Mittwoch, Zeit die Zelte abzubrechen. Ich hoffe auf Frühstück unterwegs und breche auf Richtung Westen. Auch wenn das Rad mit Zelt am Lenker und Rucksack auf dem Rücken etwas unhandlicher ist, gehe ich zugunsten von neuen Wegen (und Squadraten) auf den B1, und trotz S0 Klassifizierung habe ich gefühlt zwar auch einfache, aber deutlich mehr Trails als bisher. In Weinheim bin ich dann wieder im Rheintal angekommen und nehme Kurs auf Heidelberg. Kurz vor Ladenburg geht mir die Luft aus, also weniger mir als dem Hinterrad. Da der nächste Radladen nur 3km entfernt ist, und ich keine Lust auf die Sauerei habe, einen Schlauch einzuziehen, eiere ich mit 3 mal Zwischenpumpen nach Ladenburg, und bekomme bei Radsport Ruster tatsächlich Dichtmilch aus der Werkstattpackung. Bald bin ich am Neckar aufwärts in Heidelberg, es ist noch ziemlich zeitig. Also erstmal ein Spaghetti-Eis, und eine Pause auf einer Bank im Zollhofgarten. Bis mein Zug fährt, habe ich noch Zeit, und so sammle ich noch ein paar Squadrate im Süden von Heidelberg, bis mir die Idee kommt, den ersten Teil meiner Bahn-Strecke bis Mannheim auf dem Rad zurückzulegen und dann erst zuzusteigen. Passt, und so geht es dann ohne Umstieg bis nach Stuttgart, und auf die letzen Kilometer nach Hause. Pause gibt es diesmal im Zug, das Eis hatte ich ja schon.