Rheintal mit Abwegen – Yard Erweiterung nach Norden

Idee

Nachdem Frank mich mit dem Squadratsen angefixt hat, habe ich schon viele schöne Touren unternommen, viele Kilometer gefahren und neue Gegenden gesehen. Der Aktionsradius erweitert sich immer mehr, für die ein oder andere Tour nutze ich dann auch die S-Bahn. Und bei Touren in Westerwald und im Rheinland, wo meine Frau und ich herstammen, gibt es dann nochmal zwei kleinere lokale Hotspots, mit Stuttgart nur verbunden durch ein paar Langstreckentouren.

Irgendwann kommt dann die Idee, die Lücken zwischen den Hotspots und den Langstrecken zu einem Yard zu schließen, der von Stuttgart bis nach Köln reicht. Eine Woche Urlaub am Stück habe ich nicht mehr, aber aufgeteilt in Teilstrecken von Brühl und Dierdorf werde ich das wohl irgendwann hinbekommen, muss ja nicht dieses Jahr sein.

Planung

Motiviert mache ich mich an die Planung, und versuche bestehende Langstrecken zu verbreitern. Die Strecke von Brühl Richtung Koblenz ist bis Bonn noch relativ einfach, das Rheintal ist einigermaßen breit und auf den Umwegen summieren sich noch nicht zu viele Höhenmeter. Im Mittelrheintal ändert sich das dann, die Lückenschlüsse zwischen den Langstrecken im Rheintal und dem Rheinsteig bringen Kilometer und Höhenmeter en masse. Erst ab Mainz wird es wieder einfacher, die Oberrheinische Tiefebene mit ihren vielen Feldern und Feldwegen erlauben mir eine einigermaßen Höhenmeterarme Strecke, Kilometer kommen trotzdem ganz ordentlich zusammen. In Heidelberg stellt sich dann die Frage, ob ich bis Bruchsal weiter im Rheintal bleibe und meine erste Langstrecke aus 2010 ergänze, oder über Sinsheim die Strecke aus 2012. Ersteres scheint sinnvoller, und so führt die letzte Teilstrecke dann von Bruchsal nach Mühlacker, wo ich dann Anschluss an den bestehenden Yard rund um Stuttgart habe. Soweit der Plan für die Route, Etappen habe ich noch nicht geplant, die werden sich dann nach und nach ergeben.

Unterwegs

15.10. Brühl – Koblenz

Im Oktober ist es dann soweit, bei einem Besuch in Brühl nehme ich mir einen Tag Zeit, und nehme die erste Teilstrecke in Angriff. Ziel für heute: Koblenz, und mit der Bahn zurück. Lässt man dem Navi freies Spiel, kommen da gut 80km und 100HM heraus, der Rheinradweg ist gut ausgebaut und erlaubt müheloses Vorankommen. Nicht mein Plan. Bornheim, Bonn, Königswinter, Bad Honnef und Remagen, das sind die Stationen,die am Rande des Rheintales noch einigermaßen in der Ebene bleiben und auf gut ausgebauten Wegen verlaufen. In Sinzig mache ich den ersten von diversen Schlenkern Richtung Westen, und schließe unsere Ahr-Radtour mit an. Runter ins Rheintal komme ich erst wieder in Andernach und sammle einiges an Höhenmetern und Kilometern ein, auf Nebenstraßen und Waldwegen. Nach 115 Kilometern und über 1000HM komme ich in Koblenz am Bahnhof an, bin froh dass ich bei der Planung keine Fehler gemacht habe und irgendwo ein Squadrats übersehen. Auch wenn der Weg bis Stuttgart noch weit ist, ein Anfang ist gemacht.

5.+6.11. Dierdorf – Boppard – Mainz

Im November ergibt sich die nächste Möglichkeit, nach einem Besuch bei meinem Vater habe ich anderthalb Tage, um die nächsten Lücken zu schließen. Damit ich Dierdorf mit im Yard drin habe, ist erstmal ein Schlenker Richtung Oberbieber geplant, bis ich das Wiedtal kreuze und westlich von Neuwied an den Rhein komme. In Bendorf quere ich den Rhein, und bei Metternich die Mosel. Es wird frisch, als ich durch den Koblenzer Stadtwald nach oben klettere, die Dämmerung setzt langsam ein. In Rhens erreiche ich den Rhein, und kann dann bei Dunkelheit und tollen Blicken auf die Marksburg dem Rheinradweg bis Boppard folgen. 75km, 700HM, für einen Nachmittag nicht schlecht.

Nach einem leckeren Essen und einer ruhigen Nacht im Hotel geht es bei Nebel und Temperaturen knapp über 0° mit der Fähre über den Rhein. Die Idee für heute: Fahren bis ich keine Lust mehr habe, Wiesbaden oder Mainz bieten sich als Endpunkt mit Bahnanschluss an. Über den Rheinradweg wären es 75km und ungefähr 150HM. Die 150 HM habe ich schon in den Beinen, als ich nach einer guten halben Stunde auf dem Dreispitz stehe und die ersten Sonnenstrahlen den Nebel durchbrechen. Ein ständiges Auf und Ab durch kleine Ortschaften, Felder und Wälder, mit tollen Blicken und wenig Menschen. In Lorch ist Zeit für eine Mittagspause, den Weg bis ganz runter an den Rhein spare ich mir und nehme Vorlieb mit der Bäckerei in einem Supermarkt am Stadtrand. Danach geht es wieder steil aufwärts, die Waldwege verlangen mir einiges an Kraft ab. Erst als ich in Östrich-Winkel wieder an den Rhein komme, wird es flach, ich folge für ein paar Kilometer dem Rheinradweg, und mache nochmal eine Pause in Hattenheim direkt am Rhein. Hier plane ich, wie es weitergeht, und nachdem die Zugverbindungen von Mainz mir sinnvoller erscheinen, nehme ich ab Eltville noch ein paar Schlenker mit, bevor es langsam dämmert. Auch wenn der Verkehr Richtung Mainz dann immer mehr zunimmt und die Feuchtigkeit in die Klamotten kriecht, nehme ich auf der rechten Rheinseite noch ein paar Squadrate mit, bevor ich dann am Mainzer Bahnhof ankomme. 110km, 1800HM. Im Zug dann der Upload auf Strava und die Kontrolle: Wieder nichts vergessen, Brühl Dierdorf und Mainz sind jetzt nach allen Regeln der Kunst Yards miteinander verbunden. Und: ich habe mich erstmals beim Frostpendeln angemeldet, gewissermaßen als Selbst-Motivator, und sammle auch da ordentlich Kilometer. Wichtiger aber: nur anderthalb Tage unterwegs, und ich konnte so richtig vom Alltag abschalten, habe neue Gegenden kennengelernt und wieder erleben können, wie schön Deutschland ist.

12.11. Mainz – Walldorf

Jetzt hat es mich gepackt, die Lücke Richtung Stuttgart wird immer überschaubarer, und nur eine Woche später verspricht der Wetterbericht einen sonnigen Tag bei kalten Temperaturen. Die Bahn bringt mich nach Mainz, und dann geht es mit vielen Umwegen und Abwegen an Darmstadt vorbei nach Pfungstadt, Seeheim, Bensheim bis nach Weinheim. Die vielen Feldwege sind feucht und von der Ernte oft schlammig, dafür halten sich die Höhenmeter in Grenzen. In Weinheim schließe ich an die Mountainbike-Touren vom August an, nächstes kleines Etappenziel. Da ich damals schon die Anbindung an Heidelberg geschafft hatte, kann es jetzt auf direkt Strecke auf Heidelberg zu gehen, keine Umwege, keine Schlenker. Beim Abendessen in einem American Diner überlege ich, wie es weitergeht, per Bahn von Heidelberg nach Stuttgart wäre Möglichkeit 1, die Alternative wäre im Dunkeln noch weiter Richtung Süden fahren. Nach der Stärkung und mit der nicht ganz so optimalen Zugverbindung von Heidelberg entscheide ich mich für letzteres, Walldorf ist kein Stunde (und höhenmeterfrei) entfernt und gut angebunden. Bald sitze ich im Zug, gut 140km in den Beinen, dafür nur moderate 400HM. Und ganz schön stolz, im November noch solche langen Strecken zu unternehmen.

18.11. Mühlacker – Walldorf

Wieder eine Woche später: Der Ehrgeiz ist da, ob ich den Plan dieses Jahr noch umsetzen kann. Auch wenn die Vorhersage frostig ist, starte ich auf die letzte Etappe, diesmal in Richtung Norden. In Mühlacker steige ich aus der Bahn, packe mich warm ein, und bei Sonnenschein und leichten Minusgraden geht es durch die Landschaft, die unter einer dicken Schicht Rauhreif bedeckt liegt. Es dauert Stunden, bis die Sonne genug Kraft hat, und der Rauhreif langsam schmilzt und in kalten Tropfen von den Bäumen regnet. In Bruchsal ist dann Pause in einem Café angesagt, und dann ist es auch nicht mehr weit bis Walldorf. Knapp 80km und 800HM und genausoviel neue Kilometer fürs Frostpendeln, so die Statistik für den heutigen Tag.

Und der Blick auf die Squadrats-Karte zeigt: mit diesem tollen Tag auf dem Rad ist die Erweiterung meines Yards nach Norden bis ins Rheinland komplett. Und für die Lücken um Pforzheim, südlich der Enz und im Westerwald wird sich auch noch eine Chance ergeben.

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