Die Diskussionen um den Fortbestand der Eurobike in Frankfurt reißen nicht ab, für Endverbraucher und Bike-Nerds haben andere Messen aber die Nase vorn. Allen voran die Internationale Spezialradmesse, erstmals in Freiburg, und die Cyclingworld in Düsseldorf. Kleiner, persönlicher, mit Platz auch für kleine Schmieden und Tüftler.
Cyclingworld Düsseldorf (20.3.-22.3.)
Ende März kann ich einen Termin in Brühl in Rheinland mit der Messe verbinden, Freitags geht es bei noch frischen aber sonnigen Temperaturen mit dem kleinen Omnium Richtung Norden, Zelt und Schlafsack auf der Ladefläche.
Links und rechts des Rheins, auf der Suche nach neuen Strecken und Squadraten, komme ich nachmittags in Düsseldorf an, laufe auf dem Außengelände einem Reporter des WDR über den Weg, und steuere dann den Campingplatz an. Zwischen den Wohnmobilen der Aussteller findet sich noch ein Platz für mein Zelt, und dann geht es zur Eröffnung ins Areal Böhler, einem ehemaligen Industriekomplex. Der Charme des ehemaligen Stahlwerks passt gut zum Charakter der Messe, viele kleinere Aussteller zeigen auch ausgefallene Kleinserien, ein Testtrack und ein schönes Rahmenprogramm sorgen für beste Laune bei Gästen wie Ausstellern.
Um 22:00 schließt das Gelände, und nach einer kühlen Nacht im Zelt und Bäckerfrühstück habe ich den ganzen Samstag, die Messe zu genießen. Zeit für tolle Gespräche mit anderen Besuchern, unter anderen mit den Dorsch-Brüdern (fahrrad.io Podcast), Tilman von der Radelbande, und 3 Jungs von der Cargobike Collective Hamburg, und auch mit Ausstellern (Fahrwerker, Iumentum, Qemeo, biketechnology, Saile, Lax, Bernds, um nur einige zu nennen). Mit Eckart, Lastenrad-Entwickler bei Cube, konnte ich auch länger über die Auslegung sprechen.
Aufgrund der anderthalb Tage hatte ich auch genug Zeit, richtig viele unterschiedliche Räder zu fahren, bei der Kategorie „hab ich noch nicht, will ich noch“ hat es mir das Ahooga Faltrad ziemlich angetan. Faltet nicht so schnell und klein wie der exklusive Engländer, aber fährt sich fast wie ein „erwachsenes“ Rad. Bei den Lastenrädern extrem faszinierend: Der Titan-Frontlader von Cyclepunks mit spannenden Details wie den 3D-gedruckten Knoten und dem universellen Rack mit integrierter Rückenlehne. Immer mehr Hersteller setzen bei den Lastenrädern, wo es nicht auf das allerletzte Gramm ankommt, auf universelle Motorbrackets, in die mit Adapterplatten unterschiedliche Motoren verbaut werden können. Douze hat es vorgemacht, mit Max und Mäelon und Bike43 gibt es jetzt weitere Hersteller. Nachhaltigkeit weiter gedacht. Auch bei den Longtails gibt es Neues: Stufenlos höhenverstellbare Trittbretter (bei Tenways) und eine seitlich klappbare Reling (Velo de Ville Loady).
Voll mit Eindrücken suche ich mir ein nettes Lokal, und liege dann zeitig im Zelt. Den Sonntag verbringe ich auf dem Rad, mit vielen Schlenkern und Umwegen und einem spontanen Essen in Köln mit Gina geht es zurück nach Brühl.




Neben der Spezi in Lauchringen wahrscheinlich eine meiner schönsten Radmessen bisher. Tolles Ambiente, Unmengen an guter Laune, und ein riesiges Angebot an Ausstellern, ohne dass die Stände ausgeufert sind.
Internationale Spezialradmesse Freiburg (26.4.-28.4.)
Nach vielen Jahren in Germersheim, dann in Lauchringen, jetzt erstmals in Freiburg, klar dass ich da hin will. Sonntag morgen bringt mich der ICE samt Omnium nach Freiburg, bevor die Messe öffnet reicht es noch auf einen Kaffee in der Sonne und erste Impressionen der Besucher. Der Anteil an Liegerädern und Velomobilen ist traditionell bei der Spezi hoch, auch wenn sich in den letzten Jahren immer mehr Lastenräder und andere Spezialitäten unter die Aussteller mischen. Der Anteil an Bike-Nerds bleibt extrem hoch. Auch das Innovationslabor mit mehr oder weniger abgefahrenen Ideen ist jedes Jahr ein Vergnügen.
Zur Mittagszeit treffen wir uns mit der Cargobike Collective 0711 und Ex-Kollege Achim, und informieren uns über die Must-Sees.
Kurz vor 6 habe ich genug gesehen, und tausche mich noch mit einem Omnium Fahrer aus, der morgens mit elektrifiziertem Ti-Cargo in vier Stunden vom Bodensee angereist ist, und abends noch zurück will. Hatte ich schon von den Nerds gesprochen? Da ist mein Plan, in 2 Tagen zurück zu fahren, ja vergleichsweise normal. Auch wenn ich dabei auf der Suche nach neuen Squadraten einige Kilometer und vor allem Höhenmeter zusätzlich zurücklege und die direkte Strecke über Kinzigtal und Neckar nur streife.
Spontan verabrede ich mich noch mit Achim und Arne zum Abendessen ein paar Orte weiter, habe so bei Waldkirch die ersten Kilometer schon hinter mir. Danach ist es aber schon zu dunkel, um noch sinnvoll einen Biwak Platz zu suchen, und ich checke nach etwas Suche und weiteren Kilometern im Hotel in Gutach ein. Damit ist auch das Frühstück gesichert, und bei schönstem Wetter starte ich anschließend tiefer rein in den Schwarzwald. Eine Weile folge ich noch der Elz gemütlich aufwärts, dann biege ich nach Norden Richtung Kinzigtal ab.

2021 war ich mit Joana schon im Kinzigtal, und plane jetzt eine Route parallel zum Fluss, auf der Suche nach neuen Squadraten. Die haben es dann naturgemäß in sich, hinter Hausach geht es dann ordentlich bergauf. Einsam ist es auf den abgelegenen Strecken, während sich im Tal der normale Verkehr tummelt. Kurz vor Schiltach reihe ich mich auch wieder im Tal ein, mache erstmal eine Pause in einem leckeren Cafe direkt an der Schiltach, und dann geht es weiter nach Osten, raus aus dem Kinzigtal und in Richtung Glatt und Neckar.


In Dornhan Abendessen, und dann noch ein Stück ins Glatttal, bis ich einen Platz zum Schlafen auf dem Parkplatz des Freibades finde. Der Blick auf den Mond entschädigt für den wenig glanzvollen Platz und den gelegentlichen Verkehr.

Trotzdem schlafe ich gut, und rolle dem Frühstück entgegen. Das finde ich erst in Horb, zum Glück ohne größere Steigungen bis dahin. Die beginnen jetzt, auf der Suche nach neuen Squadraten bleibe ich natürlich nicht im Neckartal, sondern quere nach Mühringen im Eyachtal, um dann wieder an den Neckar zu fahren. Dann geht es hoch ins Gäu, und nachdem Zeit und Beine kein Veto einlegen, schließe ich ungeplant noch ein paar Squadrats-Lücken um Eckenweiler und den Heuberger Hof.

In Herrenberg schalte ich dann den Modus von Squadrat auf Squadratinho um und versuche nach Karte meinen bisher in Böblingen endenden Yardinho bis Herrenberg zu erweitern. Fast erfolgreich, ein Squadratinho hinter Ehningen geht mir durch die Lappen, das wartet auf die nächste Runde.
2 Tage durch den Schwarzwald auf abgelegenen Strecken, Erholung pur. Nach dem Trubel der Messe eine echte Wohltat, auch wenn die Spezi ein extrem gechilltes Event ist.
Meine Highlights? Ich konnte intensiver mal das ein oder andere Dreirad fahren, unter anderem das Azub mit Titan-Doppelblattfeder vorne, und die Radkutsche Companion mit kettenlosem Direktantrieb.

Auch auf der Lastenrad-Ecke gab es neues, mit dem Vivid bringt Radkutsche ein kompaktes Lastenrad mit Klappkorb mit neuem und noch geheimem Antrieb. Gespannt, man hört ja schon was munkeln!

Manchmal sind es aber die Kleinigkeiten, begeistert hat mich ein Fitting für die Befestigung von Euroboxen auf Airline-Schienen, habe ich mich doch vor längerem selber schon mal daran versucht und nicht weiterverfolgt. Simpel, genial.

Ein toller Auftakt in Freiburg, bestimmt nicht das letzte Mal. Auch für mich nicht.





